Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Die Urethrotomia externa zur Heilung von Stricturen, Urinretention in Folge von Verletzung der 
Harnröhre etc. ist, obgleich sie schon Celsus bekannt war, in Deutschland eine noch neue Ope 
ration. In Frankreich wurde sie schon vor 200 Jahren häufig ausgeführt, hatte aber neben vielen 
Verteidigern stets ihre Gegner: Begin, Chopart, Desault. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die 
Operation auch in England eingeführt, wo sie in neuerer Zeit in Syme ihren eifrigen Vertheidiger, 
und wie er selbst sagt, den Schöpfer einer verbesserten Methode fand. Von England aus kam 
nun in den 20-er Jahren dieses Jahrhunderts die Operation zu uns herüber, Eckström, Krimer») 
und wird gegenwärtig wohl von allen deutschen Chirurgen ausgeführt. Die jetzt gebräuchliche 
Methode ist folgende: , , _ _ 
Der Patient wird, nachdem er anästhesirt ist, in die Stemschnittlage gebracht. Der Ope 
rateur führt eine gefurchte stählerne Steinsonde in die Blase, deren Pavillon er nach der Einfüh 
rung einem Assistenten übergiebt, welcher mittelst der Sonde dem Operateur die Urethra ent 
gegendrückt Nachdem nun das Perineum in der Raphe gespalten, dringt der Operateur mit 
seichten Messerzügen genau in der Mittellinie sich haltend allmählich in die Tiefe, bis er mit dem 
Daumennagel seiner linken Hand die Furche in der Sonde fühlt. Alsdann sticht er ein spitzes 
Skalpell direkt auf die Sonde ein, eröffnet auf derselben die Urethra, spaltet die Strictur und legt 
einen Katheter ein, um den Urin für einige Zeit von der Wunde abzuhalten. In der beschriebenen 
Weise wäre die Operation sehr leicht auszuführen, wenn die anatomischen Verhältnisse normal 
wären Allein dies ist nur äusserst selten der Fall. Manchmal ist, wenn die Operation wegen 
einer Strictur oder Ruptur der Urethra unternommen wird, wenn das Mittelfleisch infiltrirt und 
von Fisteln durchbrochen ist, die Einführung einer Sonde schlechterdings unmöglich. Nachdem 
unter solchen Umständen die Sonde bis an die Strictur eingeführt ist, wird vom Perineum aus 
• ihre Spitze durch seichte Messerzüge freigelegt und jetzt von der Wunde aus, wo das Operations 
feld offen vor den Augen des Operateurs liegt, das Lumen des centralen Endes der Urethra auf 
gesucht und eine entsprechende Sonde eingeführt. Sedillot empfiehlt hierbei die Urethra mit 
kleinen Häkchen zu fassen und auseinander zu ziehen. Aber trotz der grössten Ausdauer und 
Geschicklichkeit gelingt es dem Operateur manchmal nicht, das Lumen der Urethra aufzufinden, 
in welchem Falle zu anderen Mitteln, welche die Operation bedeutend erschweren, geschritten 
Werden muss. ... , .. . , .. . , 
1) Genau in der Mittellinie sich haltend, dringt man langsam prapanrend tiefer und weiter 
nach hinten ein um das hinter der Strictur gelegene intacte Urethralende zu finden und von 
hinten zu sondiren. Man hüte sich hierbei vor Verletzung des Rectum 
,) Sedillot' 2 ) schlägt vor, in einem solchen Fall die Punction der Blase über der Symphyse 
,n Kri mer Ufeber die radicale Heilung der Harnröhren-Verengerungen etc. Aachen 1828. 
2 ) sldütat, Contributions ä La Chirurgie. Paris 1868. Bd. II. pag. 2 3S .
	        

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