Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Schwellung zahlreiche kleine rothe Flecke. Die Schwellung bestand sehr lange. Ein 
anderes Ohr, welches die Ligatur 48 Stunden trug, starb ab. 
Für den Zweck, den ich im Auge hatte, schien es mir passend, an den Ex 
tremitäten Untersuchungen anzustellen und zwar mit kleinen Gummischläuchen. Ich 
suchte jedes Mal das Bein blutleer zu machen mit einer etwa 1 Ctm. breiten leinen, 
nen Binde, will jedoch nicht behaupten, dass mir das jemals vollständig gelungen ist. 
Darauf legte ich den Schlauch so fest wie möglich an und nahm die Binde ab. Das 
Thier wurde isolirt. Es schien sich recht wohl zu befinden: es frass und lief umher. 
Nur in den ersten Stunden gebrauchte es das Bein in sehr beschränkter Weise. Später 
konnte ich keine Bewegungen an demselben beobachten. Ebenso schien das Gefühl 
rasch abzunehmen. Ferner zeigte sich schon recht bald eine Anschwellung des Beins, 
die nach 12 Stunden eine bedeutende Höhe erreicht hatte. Es fühlte sich weich und 
teigig an. Daneben trat eine blaue Verfärbung ein, die immer mehr zunahm. Ich 
tödtete die Thiere, nachdem sie die Gummischläuche verschieden lange getragen 
hatten: 28, 18, 12, 5 und drei Stunden. Die Section ergab Folgendes; Die Haut und 
das Unterhautzellgewebe der Beine, an denen experimentirt war, erschien sehr ver 
dickt, aufgelockert und serös infiltrirt. Ueber die Schnittfläche floss in reichlicher 
Menge eine dünne Flüssigkeit. Das Gewebe hatte eine grauschmutzige Farbe. Da 
neben sah man hie und da rothe Flecke, die Ecchymosen darstellten. An der Stelle, 
wo der Schlauch umgeschnürt gewesen war, waren sie besonders zahlreich. Die Venen 
waren stark ausgedehnt und mit Gerinsel intensiv dunkeln Blutes gefüllt. Dieser Be 
fund wiederholte sich ziemlich übereinstimmend bei den Beinen, welche die Ligatur 
28 und 18 Stunden getragen hatten. Tödtete ich das Thier, das 12 Stunden dem 
Eyperiment gedient hatte, so fand ich dieselben Veränderungen, jedoch weniger aus 
geprägt. Dagegen konnte ich bei den Beinen, welche nur wenige Stunden die Ligatur 
getragen hatten, nichts Abnormes entdecken. 
Wenn auch aus den Beobachtungen an den lebendigen Kaninchen sowie aus 
dem Sectionsbefunde hervorgeht, dass es mir nicht gelungen ist, die Circulation durch 
den Gummischlauch, selbst wenn ich denselben noch so fest anlegte, gänzlich zu un 
terbrechen, so lassen doch das Ausbleiben der anatomischsn Veränderungen während 
der ersten 4 bis 5 Stunden, vor Allem die Untersuchungen Cohnheim’s und die bereits 
gemachten klinischen Erfahrungen die beschriebene unblutige Operationsmethode für 
den Kranken vollständig ungefährlich erscheinen. Es dürfte daher die Erfindung der 
selben sowohl dem Chirurgen, wie dem praktischen Arzte willkommen sein. — 
Schliesslich spreche ich noch dem Herrn Geh. Med. Rath Prof. Dr. Esmarch 
meinen Dank aus für die mir bei vorliegender Arbeit geleistete Hülfe.
	        

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