Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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die art. subilav. gegen die erste Rippe zu comprimiren. indem ich zunächst eine Pe 
lotte in der fossa supraclav. fixiren liess und nun einen Gummischlauch nach Art 
einer spica humeri anlegte in der Weise, dass die Touren sich grade über der Pe- 
lotte kreuzten und diese gegen die Arterie und die erste Rippe andrängten. Der 
Radial- und Brachialpuls waren vollständig erloschen. Indessen bin ich ungewiss, 
ob in diesem Falle die Circulation durch Compression der Axillaris gegen den 
Humerus oder der Subclavia gegen die erste Rippe unterbrochen war. Ueberhaupt 
scheint mir diese Art der Anwendung des Schlauches, da die Schultergegend zu sehr 
von demselben verdeckt wird, von zweifelhaftem Werthe und höchstens nur für 
Nekrotomien im obersten Theil des Humerus passend zu sein. Die für diesen Zweck 
erforderliche Länge würde 1,75 bis 2 Meter betragen. 
Das Gesagte gilt auch für die Anwendung des Schlauches bei Hüftsgelenks 
operationen, Hier kann ich überhaupt nicht behaupten, dass ich durch eine dem 
oben beim Schultergelenk beschriebenen Verfahren analoge Methode die Blutzufuhr 
in’s Bein vollständig aufgehoben babe. Bei Exarticulationen und Resectionen des 
Hüftgelenks würde es sich vielmehr empfehlen, die Bauchaorta zu comprimiren. 
Prof. Esmarch hat schon im Juni 1868 und im August 1871 eine arnput. fern, im 
obern Drittel und im December 1868 die exartio. fein, gemacht, nachdem er durch 
feste Einwickelung das Blut aus der erkrankten Extremität ausgetrieben und durch 
ein Schraubentourniquet die Bauchaorta comprimirt hatte. Der Blutverlust war jedes 
Mal ausserordentlich gering. — Das Tourniquet lässt sich nun durch den Gummischlauch 
ersetzen. Man presst mit einer recht grossen Pelotte die Bauchaorta gegen die 
Wirbelsäule und fixirt nun durch einen mehrmals um den Leib fest umschlungenen 
Schlauch dieselbe in ihrer Lage. Jedoch ist diese Art der Compression etwas 
unsicher, insofern die Pelotte sich leicht verschiebt. Viel sicherer wird sie fixirt, 
wenn man sich statt des Schlauches einer jener Gummibinden bedient, Ihre Touren 
erstrecken sich nach oben und unten hin über die Pelotte hinaus und verhindern so 
die Verschiebung derselben nach diesen Richtungen. 
Die Vorzüge des Gummischlauches vor dem Tourniquet bestehen hauptsäch 
lich darin, dass jener sich viel schneller und bequemer und zwar an jeder beliebigen 
Stelle der Extremitäten mit ziemlich gleichem Erfolge anlegen lässt, ferner sich 
nicht so leicht verschiebt und die Circulation viel vollständiger und sicherer unter 
bricht als dieses. 
Wie schon oben erwähnt wurde, sind nach der beschriebenen Methode zahl' 
re iche Operationen aller Art hier in Kiel gemacht worden. Ich will nicht jede der 
selben einzeln auf rechnen. Nur einige, die besonders deutlich den grossen Werth der 
Methode hervortreten lassen, sollen speciell beschrieben werden: 
In der letzten Hälfte des Monats Mai wurde im untern Drittel des linken 
Oberschenkels einer Frau eine Nekrotomie gemacht. Nach Einwickelung des Beines
	        

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