Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

15 
In Nr. 6 musste die Compression der art. fernor. natürlich vergeblich sein, da 
das Aneurysma durch Collateraläste von unten her und durch die mitverletzte Vene 
mit Blut gespeist wurde. Nur durch Unterbindung der Arterie ober- und unterhalb 
des Aneur. konnte dem Leiden ein Ende gemacht werden. 
ln Nr. 7 wurde ein Varix. aneurysmaticus, der noch nicht lange bestand, 
durch directe Compression geheilt. 
In Nr. 8 war der Sitz des Aneur. der Heilung durch Flexion sehr günstig. 
Wenn in Nr. 9 nicht Heilung durch directe Cornpr. und Eis erzielt worden 
wäre, so hätte man nach Brasdor die periphere Unterbindung der art, carot. machen 
können, da die centrale wohl unmöglich gewesen wäre. 
Bei einem Aneur. cirsoideum, wie wir es in Nr. 10 vor uns haben, ist die 
Exstirpation stets das sicherste Verfahren und doch trat nach derselben noch ein 
Recidiv auf, so dass sie noch einmal vorgenommen werden musste. 
Das in Nr. 11 erwähnte Aneur. art. poplit. schien für die forcirte Flexion sehr 
günstig zu sein, es wurde dieselbe aber leider nicht vertragen. Die grosse Strecke, 
auf der die Arterie comprimirt werden konnte, machte dasselbe auch für die indirecte 
Digital und Instrumentalcompression sehr geeignet und es wurde auch Heilung dadurch 
erzielt, ebenso wie in den in Nr. 12 erwähnten beiden Fällen von Aneur. art. poplit. 
Obwohl wir aus den angeführten Beispielen erkennen, dass nach der verschie 
denen Individualität der Fälle bald diese, bald jene Methode den Vorzug verdient, 
so dürften doch wohl in jedem Fall von Aneurysmen zuerst die unblutigen Methoden, 
wenn es der Sitz des Aneur. gestattet und nicht grade stürmische Symptome eine 
schnelle Hülfe nöthig machen, angewendet werden, da sie viel weniger Gefahren mit 
sich bringen als die blutigen. Blutungen, Erysipelas, Lymphangitis, Phlebitis und 
Pyaernie, wie wir sie öfters nach der Ligatur sehen, werden bei der Compression 
vermieden. Ebenso entsteht bei letzterer viel seltener Gangrän des peripher vom 
Aneurysma gelegenen i'heiles, weil sich früher ein Collateialkieislaut ausbildet. 
Man wird auch in den meisten Fällen mit der Compression resp. Flexion, wo 
ihre Anwendung überhaupt möglich ist, zum Ziele gelangen, wenn sie nur mit der 
nöthigen Vorsicht und Ausdauer angewendet wird. Nur bei diffusen traumatischen 
Aneurysmen, besonders wenn sie noch mit Verletzung der Vene complicirt sind, wie 
dies in Nr. 2 und Nr. 6 der Fall ist, dürfte durch die Compression nie Heilung 
erzielt werden, sondern das Verfahren des Antyllus das einzig richtige sein. 
Zum Schluss möge es mir noch gestattet sein, dem Herrn Geh. Med.-Rath 
Prof. Dr. Esmarch für freundliche Gewährung des Materials zu dieser Arbeit und 
Unterstützung bei derselben meinen aufrichtigsten Dank hiermit auszusprechen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.