Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

worden. Sie schien mit der Haut zu verwachsen, wenigstens liess sich dieselbe nicht 
mehr so gut darüber verschieben und zeigte einige streifige Einziehungen. 
Am 27. Sept, Mittags erfolgte die Geburt eines todtfaulen Kindes, der Uterus 
contrahirte sich gut und P. befand sich gegen Abend ganz wohl. 
Am 8. October stand die Frau auf, das Fieber war verschwunden, ebenso die 
Kopfschmerzen. Die Geschwulst am Halse war bedeutend härter und kleiner. 
15. October. Bei fortwährend gutem Befinden der Frau ist die Geschwulst 
taubeneigross geworden. Sie ist hart und mit einer strangartigen Verbindung in der 
Tiefe befestigt. P. wird geheilt entlassen. 
No. 10. Aneurysma cirsoideum an der art. maxillaris externa. Exstirpation, 
bald nachher ein Recidiv in der Narbe, neue Exstirpation, Heilung. 
Otto S., 23 Jahr alt, stud. med. leidet an einer Geschwulst am linken horizontalen 
Aste des Unterkiefers, welche vor 3 Jahren spontan entstanden und in den letzten 
6 Monaten sehr rapid gewachsen ist. Die Geschwulst ist spindelförmig, circa 1 Zoll 
lang und folgt genau dem Verlaufe der art. maxill. ext. Sie zeigt überall eine gleich 
starke Pulsation, welche bei Compression der Carotis sinistr. verschwindet. Durch 
Druck lässt sie sich fast vollkommen beseitigen. Um sie zu heilen, ward zunächst 
einige Zeit directe Compression angewendet, die jedoch ohne Erfolg blieb. Am 13. Juni 
1865 wird in der Chloroformnarkose die art, max. ext. unterbunden, die Geschwulst 
pulsirt jedoch weiter, wenn auch schwächer. Desshalb wird die Exstirpation vorge 
nommen, bei welcher man erkennt, dass die Geschwulst kein einfaches Aneurysma 
ist, sondern aus einem Convolut erweiterter Arterien besteht, also ein Aneur. cirsoi 
deum ist. Die Geschwulst erstreckte sich bis tief in den Masseter und musste ein 
Stück desselben mitweggenommen werden. Die Exstirpation war sehr schwierig, da 
bei jedem Schnitt neue Arterien spritzten und es wurden im Ganzen 21 Ligaturen 
angelegt. Im Lauf der Operation musste bis tief unter den Unterkieferwinkel vor 
gedrungen werden und traf man hier auf einen dicken Arterienstamm, der von der 
Carot. ext. herkam und unterbunden wurde. Die Wunde heilte im Lauf von 4 Wochen. 
Schon während der Heilung indess bemerkte P. die Entwicklung einer neuen Geschwulst 
an derselben Stelle, Dieselbe hat jetzt, am 5. luli 1866, die Grösse eines halben 
Hühnereis erlangt, erstreckt sich vom linken Unterkieferwinkel bis nahezu an das 
Ohr. Die Pulsation ist am aufsteigenden Ast des Unterkiefers am stärksten, im Ganzen 
jedoch schwächer als vor der ersten Operation. Die Geschwulst lässt sich eomprimiren 
und fühlt sich gleichmässig weich an, Geräusche keine wahrnehmbar. 
Bei der am 5. Juli 1866 stattfindenden Exstirpation der Geschwulst wird ein 
Theil der Parotis und ein Stück vom Periost des Unterkiefers mitweggenommen, da 
sich die Geschwulst in diese Theile erstreckte. Nach vorn zu wurde oberhalb der 
Mandibula Alles bis auf die Wangenschleimhaut entfernt und auch noch das, was vom 
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