Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Ferdinand 1)., 32 J. alt, Schiffer, bekam irn März 1872 nach einer Gonorrhoe 
einen Bubo in der rechten Leistengegend, der schliesslich durch einen Einschnitt er 
öffnet wurde. Kurze Zeit nach dem Einschnitt bemerkte P. an dieser Stelle eine 
bohnengrosse harte Geschwulst, die in den nächsten 3 Wochen sehr rasch wuchs 
und deutlich pulsirte. Ein englischer Arzt verordnete dagegen Jodtinktur zum Be 
pinseln und innerlich eine dunkle Medicin. Als P. am 5. August 1872 hier in Be 
handlung kam, befand sich ungefähr 6 Ctrn. von der Mittellinie in der rechten 
Inguinalbeuge eine Narbe und unter dieser eine pulsirende Geschwulst, vom ligatn. 
Poupart. sich 5 Ctm. nach unten erstreckend. Ihre Breite betrug 3 Ctrn. Die Pul 
sation isochron, mit der der Arterie, Brausen nicht wahrnehmbar, aber zuweilen ein 
Geräusch mit metallischem Beiklang. 
Am 7. August, früh 9*/2 Uhr, wird der rechte Oberschenkel in möglichster 
Flexion durch Bindentouren um die Schultern so befestigt, dass in der Inguinalbeuge 
eine Pulsation der Geschwulst nicht mehr zu fühlen ist. Als Abends um 8 Uhr die 
Flexion aufgehoben wird, ist die Pulsation in der Geschwulst gänzlich verschwunden, 
Geschwulst ist hart. Auch in den nächsten Tagen tritt keine Pulsation ein. 
Nr. 9. Aneurysma dissecans der linken Arteria carotis, nach Anwendung von 
Eis und directer Compression in reichlich einem Monat geheilt. 
Christine Br., 26 J. alt, bekam am 23. Aug. plötzlich heftige Kopfschmerzen, 
die am 25. Aug. wieder plötzlich verschwanden, während fast im selben Moment eine 
faustgrosse Geschwulst an der linken Seite des Halses entstand. Der linke Arm 
schwoll an, besonders bedeutend in den letzten 5 Tagen. Als P. am 9. September 
hier aufgenommen wurde, befand sich an der linken Seite des Halses, in der Clavi- 
culargegend, eine faustgrosse Geschulst, welche deutlich fluctuirt, aber kein Geräusch 
erkennen lässt und sich auf Druck nicht verkleinert, Wegen der beiden letzteren 
Umstände wird sie von dem stellvertretenden Assistenzarzt für einen Abcess gehalten 
und punktirt, wobei nur einige Blutgerinnsel mit der Zange aus der Canüle entfernt 
werden. Beim Herausziehen der Canüle folgte ziemlich viel Blut. Es wurde Com 
pression angewandt und Eis auf die Geschwulst gelegt. 
Der Punktionsbefund sprach gegen einen Abcess, vielmehr für ein Aneurysma: 
an der Wand angelagerte Fibringerinnsel und in der Mitte flüssiges Blut. Die Geräusche 
sowie die Verkleinerung auf Druk konnten bei Aneurysma dissecans wohl fehlen. 
Diese Diagnose wurde noch bestärkt durch einen apoplektisehen Anfall, wahrscheinlich 
hervorgerufen durch Embolien in den Hirnarterien, den P. am 21, Sept. Nachmittags 
bekam. Es traten allgemeine Convulsionen, Bewusstlosigkeit und Cyanose auf, wovon 
sich P. nach einer Stunde wieder erholte, ohne dass Lähmungen nachblieben. Am 
14. Sept. trat ein ähnlicher Anfall auf. Am 23. Sept. fieberte P. stark, hatte sehr 
heftige Kopfschmerzen. Die Geschwulst war etwas grösser und bedeutend härter ge-
	        

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