Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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intermittirende Digital- und Instrumental-Compression vergeblich angewendet worden 
war, innerhalb 26 Tagen. 
Hans Chr., 13 Jahr alt, hatte sich im Juli 1864 ungefähr 1 Zoll oberhalb der 
linken Kniekehle mit einer Sense verwundet. Die Wunde wurde vom Arzt durch 2 
Nähte geschlossen und die starke arterielle Blutung durch Compression mittelst Binden 
gestillt. Nachdem noch einige Male in grösseren Zwischenräumen neue Blutungen 
aufgetreten waren, heilte die Wunde zu, P. konnte aber nicht gehen, da bei jedem 
Versuche sofort eine schmerzhafte Anschwellung des Fusses und Unterschenkels 
entstand. 
Als P. am 20. November 1864 in das hiesige Hospital aufgenommen worden, 
sah man am linken Knie in der Mitte zwischen der Kniekehle und der Stelle, wo 
die art. femor. den Mscl. adductor magn. durchbohrt, eine taubeneigrosse Geschwulst, 
welche auf Fingerdruck beinahe ganz verschwindet und deutliche Pulsation zeigt. Bei 
der Auscultation hört man ein systolisches Brausen, welches ebenso wie die Pulsation 
bei Compression der femor. verschwindet. Die Hautvenen des ganzen linken Beines 
sind sehr ausgedehnt, der Unterschenkel und Fuss geschwollen. 
Am 21. Nov. wird in der Mitte des Oberschenkels das Völcker’sche Knüppel- 
tourniquet angelegt. Nach 3 /i Stunden musste dasselbe heftiger Schmerzen wegen ent 
fernt werden. 
Am 22. Nov. wurde vormittags und nachmittags je 1 / 2 Stunde, am 23. dreimal 
Vi Stunde, am 24. in Pausen von '/ 2 Stunde 6rnal comprimirt und am 25. 4mal je 
1 Stunde. 
Ein Erfolg des Comprimirens war nicht wahrzunehmen. Am 28. Nov. wurde 
10 Stunden lang bald mit dem Finger, bald mit dem lourniquet comprimirt. Nach 
dem Aussetzen der Compression schwoll der Tumor erst nach einigen Stunden wieder 
an, jedoch nicht zu seiner frühem Grösse, fühlte sich auch härter an und das Zu- 
sammendrücken wurde weit schwieriger. Die Pulsation und die Geräusche nahmen 
ebenfalls an Stärke ab. 
Als am 29. Nov. 11 Stunden ebenso wie gestern comprimirt war, blieb die 
Geschwulst vollkommen hart und liess sich nicht zusammendrücken. Am 30. Nov» 
war der Tumor ebenfalls hart, das Oedem in der Umgebung geschwunden, Pulsation 
der art. femor. war oberhalb und unterhalb des Tumor gleich deutlich. 
Die Compression wurde die folgenden Tage fortgesetzt, bis sie am 13. Decbr. 
aufgegeben werden mussten, da sich eine Ulceration auf der Geschwulst gebildet hat. 
Am 1. Januar 1865 war die Ulceration thalergross, Pulsation in der Geschwulst 
ziemlich deutlich. 
15. Jan. P. comprimirt selbst die art. femor. den Tag über viertelstundenlang. 
Am 2. Febr. war die Geschwulst etwas verkleinert, aber Pulsation noch 
deutlich.
	        

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