Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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primirt werden musste. Oberhalb des comprimirenden Fingers wurde jetzt die art. 
fernor. nicht ohne Schwierigkeiten aufgesucht und unterbunden. Die Blutung blieb, 
wie sie war. Sodann ward auch unterhalb des comprimirenden Fingers die Arterie 
aufgesucht und unterbunden. Die Blutung stand noch nicht. Nachdem man vorsichtig 
die Wand der Arterie mit Torsionspincetten gefasst hatte und es dabei gelungen war 
auch das Loch der Arterie selbst mitzufassen, stand die arterielle Blutung, es kam 
aber noch venöses Blut, das aus der mit verletzten Vene stammte. Es wurde auch 
die Vene mit dem Finger comprimirt. Unterdess wurde das gefasste Arterienstück 
zwischen den beiden Ligaturen frei präparirt und es gelang die Ursache der noch 
vorhandenen Arterienblutung zu entdecken, man fand ein in die Tiefe führendes 
Gefäss. Dieses wurde unterbunden, nachdem zuvor zwischen 2 eingesetzten Pincetten 
die art. fernor. quer durchschnitten war. Jetzt blutete das obere Ende nicht mehr, 
wohl aber das untere. Nachdem man dieses wieder gefasst hatte, fand man, dass noch 
ein zweites Gefäss von hier aus in die Tiefe führte. Es ward der ganze untere Quer 
schnitt der durchtrennten femoralis abermals unterbunden und nun endlich stand die 
arterielle Blutung. Jetzt wurde der Unterschenkel mit Flanellbinden umwickelt, in die 
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Operationswunde ein Bourdonnet gelegt, Compressen darüber mit Binden befestigt 
und P. ins Bett gebracht. 
Die Wunde am Oberschenkel eiterte anfangs stark und zeigte sich auf der 
selben einige Male ein fester, grauweisser Belag. Nachdem am 17. Februar die letzte 
Ligatur entfernt worden war, heilte die Wunde allmälig zu. 
Leider entstand Gangrän des Fusses und wurde am 3. März der abgestorbene 
Fuss im Chopart’schen Gelenk amputirt. Die Gangrän schritt jedoch weiter fort, so 
dass am 19. März der Calcaneus von selbst abfiel und am 7. Mai die Amputation 
des Unterschenkels über den Malleolen vorgenommen werden musste. Am 19. Juli 
konnte P. geheilt mit einem Stelzfuss entlassen werden. 
Nr. 3. Aneurysma der arteria brachialis, entstanden durch eine Venäsection,. 
anfangs mit Compression behandelt, später nach der Methode des Antyllus innerhalb 
40 Tagen geheilt. 
Hufner Th., 50 Jahr alt, wurde am 1. April 1863 in das hiesige Hospital auf 
genommen. 14 Tage nach einem Aderlass, der vor 5 Wochen vorgenommen worden 
war, hatte sich in der linken Armbeuge ein kleiner Knoten gezeigt, der bei Gebrauch 
des Armes an Grösse zugenommen hatte. Bei der Aufnahme des P. war die Geschwulst 
hühnereigross und pulsirte ziemlich stark. In derselben hörte man ein blasendes Ge 
räusch, das ebenso wie die Pulsation bei Compression der brachialis verschwand. 
Zuerst wurde der Arm hochgelegt und ein Eisbeutel auf das Aneurysma gelegt. Einige 
Tage später, am 5. April, wurde die Compression mit Binden versucht, welche der 
P. aber nur bis Abends der Schmerzen wegen ertrug. Als man die Binde abnahm,
	        

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