Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

harten, mehr horizontal gelagerten Matratze. Dadurch erreicht man zugleich zweierlei. 
Erstens wird so der nachtheilige Druck der Rumpfschwere auf den oder die erkrankten 
und erweichten Wirbel aufgehoben und dann wird auf diese Weise auch die Bewegung 
der Wirbel an einander und somit auch jede schädliche Reibung, die immer wieder 
entzündungserregend wirken muss, vermieden. Apparate, die bestimmt sind, die 
Wirbelsäule zu fixiren, um so eine Bewegung derselben zu verhindern, zugleich aber 
das Umbergehen zugestatten, taugen nichts, einmal schon, weil sie in der Mehrzahl 
der Fälle eine Fixation der Wirbelsäule nie bewirken und dann auch den Druck der 
Rumpflast auf die einzelnen Wirbel nicht aufheben können. Sind Patienten, namentlich 
kleinere Kinder, nicht zum Stillliegen zu bringen, so kann man sich dadurch helfen, 
dass man nach einem vorher genau nach dem Rücken des Patienten genommenen 
Gypsmodell einen Rückenpanzer aus Blech treiben lässt, denselben gut polstert und 
nun den kleinen Patienten in den Panzer legt und durch Gürtel und Riemen in 
demselben still zu liegen zwingt. Dieser Rückenpanzer muss an der Stelle, aul 
welcher der erkrankte Theil der Wirbelsäule liegen soll, mit einem Blechkasten 
versehen sein, der sich mit Wasser füllen lässt. Doch wird ein solcher I anzex 
nur sehr selten nöthig sein. Eine Lagerung auf dem Wasserkissen ist nicht zu 
empfehlen, weil letzteres das Stillliegen erschwert. 
Das zweite mächtige Mittel zur Bekämpfung der Spondylitis ist die locale 
Wärmeentziehung, die sich am besten und sichersten durch den Eisbeutel 
bewirken lässt. Oft sind bei dieser Behandlung mit Eis die heftigsten Schmerzen, 
die den Patienten vielleicht ein ganzes Jahr hindurch gepeinigt hatten und keinem 
Mittel weichen wollten, schon nach einigen Tagen geschwunden, ohne auch nur 
einmal wiederzukehren. Ist das Eis an einem Orte nicht zu haben oder lässt sich 
der Eisbeutel schlecht anbringen, so thut oft eine mit kaltem Wasser gefüllte Blech 
flasche, die dem Theile der Wirbelsäule, der auf ihr liegen soll, genau angepasst ist, 
den nämlichen Dienst Namentlich ist die Blechflasche für die Behandlung der 
Spondylitis cervicalis zu empfehlen, da sie zugleich durch ihre Form eine grössere 
Ruhe des Halstheils der Wirbelsäule bedingt. Die Flasche muss so eingerichtet sein, 
dass sie sich mit Leichtigkeit entleeren und wieder füllen lässt, um immer eine frische 
Füllung derselben ohne grosse Beschwerden für den Patienten bewirken zu können. 
Die Entleerung der Flasche lässt sich sehr leicht mit Hülfe eines Hebers ausführen. 
Freilich darf man nun nicht glauben, auf diese Weise eine Spondylitis in zwei, 
drei Wochen heilen zu können. Wie schon früher gesagt wurde, Geduld, viel Geduld 
ist dazu nöthig; sind die krankhaften Erscheinungen nach einem Vierteljahr nicht 
vollständig geschwunden, so bleibt der Patient noch ein Vierteljahr liegen, zeigt sich 
dann noch keine völlige Heilung, dann dauert das Stillliegen und die Anwendung 
von Eis weiter fort bis zu einem Jahre und darüber und endlich tritt die Heilung 
doch ein, wenn auch der Patient längst daran verzweifelte. Sollten sich, nachdem
	        

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