Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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sich ereignet in diesem Falle? . . . Die Steifigkeit ist nicht Folge localer Ver 
letzung Die Symptome müssen alle beruhen auf Etwas, das sich während 
des Falles ereignete. Hat er die Stämme der Nerven gezerrt oder die feinen 
B'äden, welche die Wurzeln der Nerven bilden? Ohne Zweifel sind die Empfind 
lichkeit an der Oberfläche, welche bei Berührung Schmerz hervorbringt, und die 
Steifigkeit, welche eingetreten, die Folgen von irgend Etwas, das die sensitiven 
und motorischen Nerven gestört hat, entweder beide zusammen oder die einen für 
sich allein, jenachdem die Functionen der einen und nicht der andern gestört sind; 
oder endlich die Beschädigung hat im Innern des Rückesmarkes stattgefunden. Es 
ist unmöglich, dass diese Symptome die Folgen von etwas anderm sein könnten, 
als von einer solchen Structurveränderung; und sie sind, nach meinem Ermessen, der 
Beweis einer ausgesprochenen Beeinträchtigung der Nerven oder des Markes, ob 
gleich sich nicht bestimmen lässt, was die Beeinträchtigung sein mag.“ 
Die Kliniker beantworten uns also jene Frage nicht. Was sagen uns die 
pathologischen Anatomen ? 
„Der Sektionsbefund (Prager Vierteljahrsschrift 114 B. S. 86) in Todesfällen 
nach Concussion des Rückenmarks, wo keine Wirbelfractur oder Verschiebung, keine 
Blutung oder Verletzung beobachtet wird, ist sehr verschieden je nach der Krank 
heitsdauer. In den seltenen lethalen Fällen ist oft gar keine Veränderung gefunden 
worden (Boyer, Abercrombie, Jordan), doch ist hiermit die Ansicht, dass dem Auf 
hören der Function der Nervencentren auch eine Störung der Gewebe zu Grunde 
liegen möchte, keineswegs widerlegt, da auch in diesen Bällen nur durch das Mi 
kroskop erkennbare Veränderungen bestehen konnten. In Bällen, wo das Leben 
nach der Einwirkung der äussern Gewalt noch längere Zeit fortgedauert hat, finden 
sich meist chronisch entzündliche Veränderungen des Rückenmarks oder seiner Häute 
oder beider, zugleich mit übermässigem Gefässreichthum, Verhärtung oder häufiger 
Erweichung und Zerfall des Markes, Verdickung oder Täubling der Häute und An 
sammlung von Serum, Exsudat oder Eiter in beiden 1 heilen. Bei noch längerer 
Lebensdauer, zuweilen aber ziemlich bald, findet man Atrophie oder Degeneration 
der Nervengewebe etc.“ 
Brodie (s. Schmidt’sche Jahrbücher B. 28. S. 256) macht in seiner Abhand 
lung ,,über Verletzungen des Rückenmarkes“ eine Eintheilung nach den Resultaten 
des Leichenbefundes und sagt sub 8: „Es kann durch einen Schlag auf den Rücken 
die feinere Organisation des Markes leiden ohne dass eine Fractur etc. zugegen 
1st, ja ohne dass selbst die membranösen Hüllen desselben an den B'olgen der 
Verletzung Theil zu nehmen scheinen. Hat man in einem solchem Falle Gelegen 
heit das Rückenmark bald nach der Verletzung zu untersuchen, so wird man das 
Centrum desselben weicher als in natürlichem Zustande finden, indem seine fibröse 
Beschaffenheit in eine halbflüssige Substanz übergegangen ist. Lebt der Kranke 
längere Zeit, so nimmt man diese Structurveränderung im ganzen Durchmesser des
	        

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