Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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15- Jan. Patient hat noch keine Stuhlentleerung gehabt. Der Leib ist noch 
stärker aufgetrieben. Die Schmerzen sind wol geringer geworden bei obiger Be 
handlung, doch ist noch kein gesunder Schlaf eingetreten. 
Verordnung: Ausser Ol. Ric. u. Morphium wurde ein Klysma verabreicht. 
16. Jan. Es ist trotzdem bis jetzt keine Stuhlentleerung erfolgt und hat 
Patient nur wenig geschlafen. Die Auftreibung des Leibes hat noch zugenommen. 
Die Bauchpresse scheint ganz ausser Thätigkeit zu sein. 
Verordnung: Es wird ein Kautschukrohr möglichst hoch in den Mastdarm 
hinaufgeschoben, und gehen durch dasselbe sofort stinkende Flatus ab. Dabei ist 
die starke Spannung des Abdomens etwas geringer geworden und hat Patient einige 
Erleichterung. Im Uebrigen ist in dem traurigen Zustande wenig Aenderung zu be 
merken. 
17. Jan. Heute endlich ist reichliche Stuhlentleerung erfolgt, (Im 31. B. der 
Schmidt’schen Jahrbücher ist S. 189 ein Fall von Gehirn- u. Rückenmarks-Erschüt 
terung berichtet, in welchem die Stuhlentleerung 26 Tage ausblieb) nachdem bis da 
hin durch den Kautschukschlauch massenhaft stinkende Flatus entwichen sind und 
die Spannung des Leibes dadurch grösstentheils aufgehört hat. 
18. Jan. Patient hat grosse Erleichterung gefühlt und diese Nacht etwas bes 
ser geschlafen. Es erfolgte heute spontan noch eine massige Stuhlentleerung von 
normaler Consistenz. 
19. Jan. Der Urin ist einige Male unwillkürlich abgeflossen. Bis dahin 
■wurde derselbe regelmässig vom Patienten entleert. 
20. Jan. Einige Male ist auch der Stuhl unbemerkt abgegangen. Der Urin 
wurde nur noch ein Mal unbewusst entleert. 
Patient erhält jetzt statt Morphium Abends Chloralhydrat 3,0 
2 i. J an. Chloralhydrat 4,0. 
22. Jan. Im Ganzen ist eine Besserung zu constatiren; der Schmerz und 
die Steifigkeit der Glieder hat etwas abgenommen. Schlaf lässt noch zu wünschen 
übrig. Chloralhydr. 5,0 
23. Jan. Patient klagt immer weniger über Gliederreissen. Das Sangein 
wird nicht mehr beständig gespürt. Die Taubheit des Gefühls, besonders an der 
rechten Hand, hat sich dagegen um nichts gebessert. Die Beine lässt Patient jetzt 
anfassen ohne Schmerz zu äussern. Auch ist er im Stande sie etwas zu heben, 
wobei er jedoch schmerzhaft das Gesicht verzieht. Den linken Arm bewegt er 
ziemlich frei; den rechten nur mangelhaft. 
24. Jan. Urin- und Stuhl-Entleerung sind vollständig normal. Die Besserung 
im Uebrigen schreitet vorwärts. 
Patient erhält jeden Abend 2,5 Chloralhydrat in Verbindung mit 0,005 Mor 
phium und ist danach eine erfreuliche Wirkung zu verzeichnen.
	        

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