Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Versuch von Dr. Hir s chb er g l ). in Berlin vor, welcher über 100 Einzeluntersuchun 
gen von Amaurosen berichtet. 
Weder die erste noch die zweite Methode kann für sich den Anspruch erhe 
ben, positiv richtige Resultate zu liefern; denn bei der ersten werden zu viel Erblin 
dungsursachen nicht ermittelt und unrichtig gedeutet, bei der zweiten wird eine grosse 
Anzahl von unheilbaren Blinden ausgeschlossen, die ihrer Hülfslosigkeit bewusst nicht 
die Hülfe des Ophthalmologen suchen. Eins aber ist sofort einleuchtend: beide Me 
thoden corrigiren einander einerseits durch den Werth der Vollständigkeit, andrerseits 
durch den Vorzug der Genauigkeit. Für gewisse Ursachen, die auch von Laien nicht 
leicht übersehen und missdeutet werden, z. B. V erletzungen, acute Exantheme, Scro- 
phulose hat die erstere Methode entscheidendere Bedeutung, für andere aetiologische 
Momente tritt die zweite nach Massgabe des mehr oder weniger leicht zu Beurtei 
lenden in ihre Rechte ein. Ist man erst auf beiden Wegen etwas weiter gekommen, 
s o kann es nicht fehlen, dass durch richtige Relation fast absolute Prozentsätze erzielt 
werden. ^ 
Leider verkennt der Herr Dr. Hirschberg diese Sachlage, wenn er der 
Methode Zehender’s und den Resultaten seiner Frageblättchcn so wenig Bedeutung 
zumisst; er versäumte dadurch die seltene Gelegenheit, eine klinische Casuistik durch 
Vergleich mit einer in vieler Hinsicht verwertbaren Allgemeinstatistik zu corrigiren 2 ). 
Zweck vorliegender Arbeit ist nun, einen weiteren Beitrag zur aetiologischen 
Blindenstatistik, unheilbare Amaurosen betreffend, auf Grundlage des Materials der 
hiesigen Augenklinik zu liefern und mit den Resultaten von Zehender und Hirsch 
berg in Relation zu bringen. 
Herr Professor Zehender gestatte mir zu dem Ende, seine Statistik von dem 
oben angedeuteten Gesichtspunkte aus zu beleuchten und die Resultate seiner aetiolo 
gischen Nachforschungen nach dem hier mehr und weniger Verwerthbaren unter Be 
nutzung des Commentars seiner Tabellen zu gruppiren. Er berichtet über 513 Fälle; 
’) Berliner klinische Wochenschrift 1873, Nr. 4. 
<l ) Uebrigens ist die aetiologische Blindenstatistik in Zebender’s verdienstvoller Arbeit 
nicht der einzige und Hauptzweck, obschon auch hieraus, wie sich erweist, die beachtenswerthesten 
Consequenzen entspringen; er richtet vielmehr sein Augenmerk auf. „die ganze Lchcnscntvvickelung 
der Blinden und auf die äusseren Bedingungen ihrer bürgerlichen Existenz.“ Ausdrücklich und 
wörtlich (1. c. p. 314) betont diese Hinsicht Zehender, wo er die angeborene und durch 
Blennorrhoea neonatorum acquirirto Blindheit practisch so ziemlich gleichwertig erachtet, und Herr 
Dr. Hirschberg kann ihm darin (?!) nicht beistimmen, indem er darlegt, dass in Hinsicht 
auf die Prophylaxis von jenem Unterschiede abzusehen unstatthaft sei. Füglich sollte eine 
solche Polemik, welche gegen nicht existente Behauptungen zu Felde zieht, in unserer Literatur 
keine Stätte finden.
	        

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