Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Morgen des vorhergehenden Tages heruntergegangen. — Später wurden die Tages 
schwankungen ganz unregelmässig. > . , 
Dub Fersalten des Pulses war in unserm Falle nur insofern Fon Interesse, als 
es stets ein der Temperatur entsprechendes war. Bei der Aufnahme waren die Herz- 
hewegungen sehr langsam, 52 in der Minute — Temperatur 28.2’® C. —, und so schwach, 
dass gar kein Puls an der Hand fühlbar war; erst nach dem zweiten Bade zeigte sich 
e ine schwache Pulsation der Radialis. In der Folge folgte der Puls in Zahl und Stärke 
stets den Schwankungen der Temperatur, ■ '■ y - •' ’< : ; ; ' i v. 
Bei der Section zeigten sieh in verschiedenen Organen noch einige patholo 
gische Veränderungen, die, obsehon sie während des Lebens theilweise keine Symptome 
gemacht hatten, dennoch einer kurzen Erwähnung Werth erscheinen. Sie sind zum 
Theil Folge des starken Alkoholgenusses, dem Patient seit langen Jahren ergeben 
war; hierhin gehört die allgemeine Fettleibigkeit, der massige Grad von Fettleber 
und die Trübungen der innern Hirnhäute, Zustände, wie sie in höherem oder geringerem 
Masse stets bei alten Gewohnheitssäutern gefunden werden. 
Die fast vollkommen bindegewebige Entartung beider Hoden ist wahrscheinlich 
»uf eine früher überstandene Lues zurückzuführen , wenigstens sprechen» die Narben 
am Frenulum und in der Urethra sehr dafüh Das Lumen der Urethra war am Orifi- 
cium und namentlich an jenen Stellen, wo sich die zahlreichen narbigen Stränge an 
ihrer Innenfläche fanden, sehr verengt. Dieser Umstand erklärt, weshalb ein Versuch, 
den Patienten zu katheterisiren so äusserst schmerzhaft war und aufgegeben werden 
Wusste. Dass aueh durch diese Stricturen früher das Uriniren lange Zeit erschwert 
gewesen sein muss/ beweist die starke Ausdehnung der Blase und die mächtige 
Hypertrophie ihrer Wandungen. Die wählend des Krankheitsverlaufs beobachtete und 
sich mit der Zeit steigeimde Incontinenz dürfte wohl auf eine eingetretene Parese des 
Sphincters zu beziehen sein. 
Sehr interessant endlich noch ist der Befund der Nieren: die hochgradige 
Granularatrophie der linken, die massige der rechten Niere. Es ist wohl ziemlich sicher, 
dass wir es hier mit einer genuinen Schrumpfung der Nieren zu thun haben, und es 
muss nur auffalleri, dass die ziemlich bedeutenden Veränderungen im Leben gar keine 
Symptome gemacht haben. Sonst erkennt man schon geringere Grade von Sch rump f- 
niere an einer bedeutenden Zunahme der täglichen Harnmenge, au dem geringen 
s pec. Gewicht des Urins und an dem Gehalt desselben an Eiweiss und Harncylmdern; 
flie Herzd&mpfung bei solchen Patienten ist vei’grössert und der zweite Aortenton 
verstärkt. Alles dies fand sich bei unserm Patienten nicht. Die tägliche Harnmenge 
betrug durchschnittlich etwa 1000 Ccm., anfangs sogar noch viel weniger, das spec. 
Gewicht schwankte zwischen 1012—1018, war also nur wenig niedriger als in der 
Norm, und Albumen und Harncylinder konnten nie nachgewiesen werden, bis einige 
Tage vor dem Tode sich etwas Eiweiss im Harn zeigte, das aber auf das damals
	        

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