Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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gezogen wurde, dessen Wirksamkeit für die Erhaltung der normalen Körperwärme als 
Vfcgulirend nothwendig ist.“ — Als äussere Schädlichkeiten aber, die zur Verminderung 
der Eigenwärme beitrugen, führt Loewenhardt die häufigen Bäder an, die bei seinen 
Patienten wegen ihrer grossen Unreinlichkeit nöthig wurden, und die kalte Witterung, 
die bei der Beobachtung den niedern Temperaturen — December bis April — herrschten, 
die deshalb so , schädlich auf seine Kranken wirkten, weil sie sehr, häufig ganz nackt, 
bespnders zur Nachtzeit, in ihren Zellen umhergingen. Das trifft für unsern Fall nicht 
s.M, da unser Patient während der stärksten Abkühlung meist wohl zugedeckt im Bett 
zubrachte. ,, 0/ ... .. 
Gemeinsam aber ferner ist unserem und zweien genauer anatomisch untersuchten 
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fallen Loewenhardts eine Abweichung von dem natürlichen Verhalten im Halsmark. Diese 
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Beobachtungen sind um so wichtiger, als auch bei Verletzungen des Nackentheils des 
tenmarks Temperaturabfälle beobachtet wurden. So in dem Niedenschen Falle, 
here Theil des Rückenmarks gequetscht und erweicht war; so in einem 
"eitern Falle, den Dr, Njeden in der an seine Mittheilung geknüpften Diskussion er- 
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zählt, der von einen) Dr Rasch beobachtet wurde. In diesem Falle wurde, in Folge 
tines Falles auf den Nacken der ganze Körper bis zum Halse hinauf gelähmt , und 
tiu Temperaturabfall bis 32,0® constatirt bei 52 Pulsschlägen in der Minute. Man 
darf also wohl annehmen, dass in allen diesen Fällen eine Erkrankung des Wärme* 
centrums stattgefunden haben muss, die das Herabgehen der Temperatur bewirkte. 
Unser Fall ^ist. aber jvo^ dem Foewenhardtschen und Niedenschen darin abweichend, 
dass später Normaltemperatur und vor dein lode sogar eine Steigerung derselben zu 
hohen Graden eintrat, während jene Beobachter ein Sinken derselben bis zum Tode 
"'ahrnahmen., Fs muss in unserin halle also entweder das Wärmecentrum wieder 
gesund geworden und dann im entgegengesetzten Sinn erkrankt sein, oder aber, und 
das scheint mir warscheinlicher zu'sehi, es ist die Y eränderung desselben derart gewesen, 
dass die Körpertemperatur auf scheinbar ganz geringe äussere Einflüsse leicht sowohl 
"ach der einen als auch nach der andern Seite hin grosse Excess,e machte. Wenn 
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'vir eine solche Erkrankung des Wärmecentrums annehinen, so erklärt sich das sonst, 
so sehr räthselhafte Verhalten der Körpertemperatur recht gut. 
Als ursächliches Moment für die anfängliche, tiefe Temperatursenkung genügt 
dann das Verweilen unseres Patienten auf einem kalten Zimmer während l l /z Tage 
u »d der Umstand, dass er sieh grade vor der schädlichen Einwirkung des kalten 
Zimmers enorm viel Alkohol zugeführt hatte. Denn auch der Alkohol wirkt nach 
zahlreichen Untersuchungen herabsetzend aut den Stoffwechsel und erniedrigend auf 
die Eigenwärme. Weshalb aber, wird man einwerfen, kam eine solche Herabsetzung 
der Temperatur, die sogar Bewusstlossigkeit zur Folge hätte, so plötzlich, da doch 
Patient vorher sich oft, ja fast täglich, denselben Schädlichkeiten ohne die gleiche 
'Wirkung ausgesetzt hat? Ich muss da auf das verweisen, was icli in Betreff des Be-
	        

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