Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Ein Fall von excessiv niedriger Körpertemperatur. 
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Die Eigenwärme des kranken Menschen ist weit grosseren Schwankungen unterworfen 
als die des gesunden. Aber auch sie hat ihre bestimmten, unüberschreitbaren Grenzen, 
über die hinaus sie von ihrem gewöhnlichen Verhalten nicht abweichen darf, wenn 
nicht durch diese Abweichung die Fortdauer der Lebens-Verrichtungen vernichtet 
werden soll. Nach oben hin ist eine solche Grenze ziemlich sicher bekannt, da sehr 
zahlreiche Beobachtungen über extrem hohe Körpertemperaturen vorliegen, mit denen 
auch die vielen in dieser Richtung an Häugethieren gemachten Experimente sehr 
gut übereinstimmen. Noch hat kein Mensch eine Temperatursteigerung seines Körpers 
über 42,8° C. überlebt; diese Höhe wurde in einem Fall von Insolation bei einem 
‘5jährigen Manne erreicht, der später vollkommen genas. Die höchste überhaupt 
heim lebenden Menschen bis jetzt glaubwürdig beobachtete Temperatur betrug 44,75° C, 
Mir dürfen also wohl den nach dieser Seite hin liegenden Temperaturexcess, den ein 
Mensch noch zu überleben vermag, etwa um den 43 Grad herum suchen. 
Nicht so bestimmt ist jetzt schon die Frage zu entscheiden, bis zu welchem 
Grade der mensoliche Körper abgekühlt werden kann, ohne dass dadurch die Fähig 
keit des Weiterlebeus aufhört, da Beobachtungen in dieser Richtung überhaupt sehr 
wenig gemacht sind, und solche, die eine Abkühlung bis zu der Grenze dessen, was 
Vf >n anderen Säugethieren noch überlebt wurde, enthielten, gar nicht vorliegen. Es 
dürfte aus diesem Grunde nicht unwichtig sein, Fälle, in denen eine axcessiv niedrige 
Eigenwärme des Menschen constatirt werden konnte, zu sammeln. Durch grosse 
Güte des Herrn Professor Bartels bin ich in den Stand gesetzt, einen solchen Fall, 
der zu Anfang dieses Jahres auf der hiesigen medicinisehcn Klinik zur Beobachtung 
kam, mitzutheilen und zum Thema einer kleinen Abhandlung zu machen. Zuvor 
H üer möchte ich kurz die in dieser Richtung an Menschen gemachten Beobachtungen 
ünd an Thieren angestellten Experimente erwähnen. 
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