Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Pneumonie sowohl als des Decubitus besser vorgebeugt werden kann, als bei derjenigen, 
welche die consequente Anwendung kalter Bäder verlangt. Die letztere, so ungemein 
lästige und verderbliche, Complication entsteht bekanntlich theils durch die geschwächte 
Herzthätigkeit, theis durch dauernden Druck auf eine Körperstelle, theils durch andere, 
noch nicht genau genug erforschte Ursachen. Dass sie bei der Kaltwasserbehandlung 
so selten eintritt, dürfte leicht erklärlich sein. Zuerst vermag eine noch so sorgfältige 
anderweitige Reinigung nicht das, was das Verweilen des ganzen Körpers im Bade 
erreicht; sodann wird, so lange der Patient im Bade sich befindet, der Druck der 
Körperlast von den in der Rückenlage am meisten gefährdeten Puncten abgelenkt, 
u nd endlich pflegen die Kranken, nachdem sie durch das Bad aus dem Zustand der 
Somnolenz und Betäubung gebracht sind, auch häufiger die Lage zu wechseln. Hier 
müssen wir nun gestehen, dass gerade durch die Anwendung der Eisbeutel eine 
Lageveränderung dem Kranken noch unbequemer gemacht wird; aber dieses Verfahren 
dürfte in unserem Falle trotzdem als gerechtfertigt erscheinen, denn theils Avar in der 
Zeit, wo die complicirte Fractur ohne festen Verband behandelt werden musste, die 
Application der kalten Bäder unmöglich, theils war der Patient ohnehin zu absolut 
ruhiger Körperlage gezwungen. Wir mussten uns also darauf beschränken, durch die 
grösste Reinlichkeit und durch die Sorge für eine glatte Unterlage das drohende 
Uebel möglichst lange hintan zu halten; Avie Avenig Avidei’standsfähig aber unser 
Kranker auf der Höhe der Krankheit war, beAveist die EntAvickelung des Decubitus 
in der Gegend des rechten Trochanter; denn nachdem der Kranke bis zum 28. Nov. 
fast beständig die Rückenlage eingenommen hatte, Avurde an diesem Tage ein 
Gypsverband angelegt und so die Seitenlage ermöglicht; schon am 2. Dec. hatte sich 
trotz der grössten Vorsicht und obgleich der Patient nur zeitAveise auf der r. Seite 
gelegen hatte, jener Decubitus entwickelt! Unter diesen Umständen ist es gcAviss 
Wunderbar, wenn später die Gangrän nicht zunahm, sondern sich alle Wundflächen 
mit guten Granulationen bedeckten und sich zusehends verkleinerten. 
Von Interesse dürfte ferner bei unserem Patienten das Verhalten der Fractur 
sein; obgleich eine längere Zeit hindurch kein fester Verbund angelegt Avurde, so 
dass durch die Reibung der Knochen gegen einander ein beständiger Reiz ausgeübt 
und die Callusbildung begünstigt wurde, blieb letztere in der ersten Zeit ganz aus, 
und erst am 14. Dec. konnte der Anfang derselben constatirt werden. Wenn Avir die 
Krankengeschichte etwas genauer betrachten, so sehen Avir, dass gerade um diese 
Zeit der ganze Zustand des Kranken ein besserer geworden war; das Fieber hatte 
bedeutend abgenommen, der Patient äusserte — abgesehen von der Schlaflosigkeit 
— subjectives Wohlbefinden, die Hämatocele Avar unter alleiniger Anwendung kühlender 
Umschläge zurückgegangen, die Diarrhöen Avaren vollkommen sistirt und die Wund 
flächen zeigten eine entschiedene Tendenz zur Heilung. Unter diesen Verhältnissen 
machte denn auch die Heilung der Fractur die überraschendsten Fortschritte, und
	        

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