Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Kranken ausser der etwas belegten ,Zunge nichts nachweisen, die Körpertemperatur 
ist nicht erhöht, der Puls nicht beschleunigt. Die Ordination beschränkt sich deshalb 
auf allgemeine diätetische Vorschriften. 
27. Oct. Der Kranke bietet ein fieberhaftes Aussehen dar, hat eine stark 
belegte Zunge, unangenehmen foetor ex ore: er klagt über gänzliches Fehlen des 
Appetites, welcher sich in den letzten Tagen wieder eingestellt hatte, äussert aber 
im Uebrigen subjectives Wohlbefinden. Bei der Untersuchung der Brustorgane ergiebt 
sich kein abnormes Verhalten derselben, auch die Bauchorgane zeigen — abgesehen 
von einer sehr geringen Druckempfindlichkeit des Unterleibes — nichts Anffallendes. 
Die Haut fühlt sich trocken und heiss an. Gegen Abend steigt die K.-T. auf 
40,6°, Puls 112. (Wir wollen gleich hier bemerken, dass die K.-T. bei unseren Kranken 
in der Achselhöhle gemessen wurde.) 
Ordinatio: Chinini hydrochl. 1,0 Grrn. 
28. Oct. Patient legt eine grosse Unruhe an den Tag, gesticulirt und spricht 
lebhaft, ohne seine Umgebung zu bemerken; auf wiederholtes Fragen giebt er an, 
dass er sich wohl fühle, nur in der Nacht habe 'er Durchfall gehabt. Die Faeces sind 
flüssig und gelblich gefärbt; Druck auf den Unterleib nicht empfindlich, erzeugt aber 
das sog. Ileocoecalgeräusch, Vergrösserung der Milz ist nicht zu constatiren, anf dem 
Leibe zeigen sich vereinzelte Roseolaflecke; die Zunge ist roth und zeigt Neigung 
zum Trockenwerden. K.-T. 40,2°, P. 100. 
Ordinatio: Morgens und Abends 1 kaltes Bad; 1 Grrn. Chinin. 
Abends erhebt sich die K.-T. auf 41°, P. 108. 
29. Oct. Lebhafte Delirien; K.*T. 39,8°. P. 108. Es wird sofort ein kaltes 
Bad verordnet, welches nach 2 Stunden zu wiederholen ist. 
Um 11Y2 Uhr, als sich der Wärter auf wenige Minuten entfernt hat, eilt der 
Patient zum Fenster und stürzt sich, ehe der neben ihm liegende Kranke es hindern 
kann, aus einer Höhe von circa 18 Fuss in den mit Steinen gepflasterten Hofraum. 
Nachdem er wieder in das Bett geschafft ist, ergiebt unsere Untersuchung: Fractura 
tibiae et fibulae dextrae; ein Splitter der Tibia hat sich durch die Haut gebohrt, 
und aus dieser Wunde ist eine nicht unbedeutende venöse Blutung erfolgt. Am 
Scrotum sind umfangreiche Sugillationen vorhanden, denen eine grosse Druck 
empfindlichkeit des testis sinister entspricht; am rechten Ellenbogengelenke befindet 
sich eine mit Sand verunreinigte, nicht sehr tiefe Wunde; und ausserdem an anderen 
Körperstellen unbedeutendere Sugillationen und Schrunden. 
Ordinatio: Einwickelung des rechten Fusses und Unterschenkels, Fixirung 
desselben durch Spreukissen, leichter Verband am Ellenbogen nach Reinigung der 
Wunde, Lagerung des Scrotum auf ein keilförmiges Kissen und Bedecken desselben 
mit Bleiwasserumschlägen. Eisbeutel auf die Stirn und den fracturirten Unterschenkel; 
gegen Abend innerlich; 1 Grrn. Chinin. K.-T. Abends 40,4°.
	        

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