Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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bei dein jede Controle über die Richtigkeit der Angaben des Untersuchten fehlt. 4 ' 
Dasselbe gielt natürlich auch von den Burchard’schen Puncten. 2, „Fallen bei den 
feinsten Schriftproben die Zerstreuungsbreiten nicht erheblich ins Gewicht.“, dazu 
v. Graefe’s Ausspruch: „Presbyopen uud Hypermetropen können zwar grosse und 
tmttelgrosse Schrift, niemals aber feinste Schrift bedeutend ausserhalb ihrer 
Accommodationsgrenzen lesen.“ Nach den unten anzuführenden Befunden glaube ich 
hierzu bemerken zu dürfen, dass selbst die feinsten Schriftproben noch in die Zerstreu 
ungsbreiten hineinfallen , welche die Accommodationsfähigkeit bei Aphakie scheinbar her- 
vorrufen und dass erst bei viel feineren Objecten der Fern- und Nahepunct zusammen 
fällt. 3, „Stehen diese Leseversuche den Verhältnissen des gewöhnlichen Sehactes 
am nächsten.“ Diesen Punct darf ich für die Untersuchung für weniger wünschens- 
werth erachten. Hier kommt das Rathen zu sehr mit ins Spiel, welches bei dem 
besten Willen garnicht zu vermeiden ist, wie ich an mir selber erfahren, als ich 
zu, n Zweck der Untersuchung meine Accommodation gelähmt hatte, während ein 
Errathen bei den Burchard’schen Puncten nicht wohl möglich ist, falls man die 
Duncte mehrerer Felder laut und correct zu zählen vermag. 
Bevor ich nun die gewonnenen Resultate aufführe, werde ich den Gang der 
Untersuchung, den wir einschlugen, in seinem allmähligen Fortschreiten verfolgen. 
Wie bereits erwähnt, gelangten wir bei derselben Untersuchungsmethode, deren 
Förster sich bedient hat, zu demselben Resultat. Wir fanden bei einer grösseren 
Zahl von Aphakischen das Vermögen die feinsten Snellen’schen Schriftproben zu 
f e sen in einem gleichen Bereich wie Förster, ich führe hier einige an: 
B. liest Sn. U/II in 8 bis 32 V2 Cmm. mit + 3 
Gr. liest Sn. U/II in 12 bis 30 Cmm. mit + 2V2 
G. liest Sn. U/II in 7V2bis 54 Cmm. mit 4- 2Y2- 
Trotz dieses Befundes glaubten wir diese Fähigkeit der Aphakischen, kleinste 
Schriftproben in verschiedenen Distanzen zu lesen, nicht als Accommodationsvermögen 
bezeichnen zu dürfen, denn schon bei diesen ersten Versuchen war uns die Erschei- 
nu ng aufgefallen, dass stenopaeische Lorgnetten von verschiedener Weite einen. 
Merklichen Einfluss auf die Breite des Lesens ausübten. Gingen wir nun aber weiter 
das bis in die feinsten Details durchgearbeitete Feld der Accommodation durch, Avie 
es in dem Werke von Bonders vor uns liegt, so mussten sich die Zweifel über die 
Befunde mehren und der Wunsch einer Erklärung wurde dringender. Denn auf 
w elche Weise sollte die Accommodation im Auge zu Stande kommen? Per exclusi- 
°üem aller Möglichkeiten weist Donders für das nicht aphakische Auge mit positiver 
Gewissheit nach, dass dem Ciliarmuskel allein die wichtige Eigenschaft eines Accom- 
Modationsmuskels beizulegen ist und zwar durch seine Wirkung auf die Gestaltver-
	        

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