Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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heiligen, Maria genannten, kirche kamen, und [in dieser] unsere sinne auf die Untersuchung der 
sache richteten, damit der ort selber zum denkmal und zum zeugen unsrer wahren gotteserkenntniss 
werde. Und es trat der ehrerbietige archimandrit Eutyches hindurch (fol 59 r 1) in [unsre] mitte und 
präsentiert uns eine flehschrift, in der er Christum zum zeugen seiner gesinnung und seiner rede 
angerufen, und zum Schlüsse (mhattem hwä w) gesagt hat: er habe das heilige glaubensbekenntniss 5 
der väter in Nikaia seit seiner kindheit gelernt, dasselbe bis jezt unerschüttert bewahrt, und 
niemals an irgend einem der [säze], welche diese beschlossen hätten, gerüttelt; auch habe er auf 
der andern Seite (dein) ebenso den früher in der stadt Efesos von der heiligen synode, die sich 
darin versammelt hatte, beschlossnen [säzen] sowie den gesezen, welche damals für den orthodoxen 
glauben angeschlagen wurden (oetqbacu), fortwährend folge geleistet. Als der presbyter dieses mit- io 
getheilt hatte, und da auch diejenigen, welche ihn in der königlichen stadt gerichtet hatten, zugegen 
waren: so stellten wir natürlich (oäljjäoit) eine Untersuchung über das verhandelte an; denn diese 
anzustellen hatten uns die anbetungswürdigen worte eurer christusliebenden macht befohlen. Nach 
dem die akten überreicht waren: veranstalteten wir also ihre Verlesung, ohne überhaupt nur etwas 
von den darin niedergelegten dingen auszulassen, damit durch alles die Wahrheit aufgeho und auf- 15 
gespürt werde. Dass nun einige unsrer (fol 59 r 2) amtsbrüdcr, die sich damals in Könstantinü- 
polis befunden hatten, aussprüche, die als ihre persönlichen zu den akten gelegt waren, anschul 
digten, als unechte (zeofäne) zurückwiesen und dabei sagten: „das sind Schwindeleien“ (dbedjä) ; 
hingegen andere das von ihnen [den lcztereu] behauptete ihrerseits {xac) als nicht wohlgethan 
schalten: unterlassen wir (dctxa/xfx) zu erzählen, und kürzen die weitläuttigkeit des gegenständes 2« 
ab, um nicht wegen desselben beschwerlich zu werden. Als wir aber fanden, dass der archimandrit 
Eutyches sowohl durch das, was er, nach dritter Vorladung (qräjtä) in jener synode erschienen, 
mit eigner stimme; als auch durch das libcll, welches er jezt uns praesenticrt [hat], bekannt hat: 
„dass er festhalte an dem orthodoxen glaubensbekenntniss, und es nicht auf sich genommen habe, in 
die von den heiligen in Nikaia und in Efesos versammelt gewesenen Vätern definierten [säze] 25 
etwas neues oder fremdes einzuführen“ —: so haben wir einerseits ihm wegen seines orthodoxen, 
nach keiner Seite hin abweichenden glaubens beifall bezeigt, und demgemäss auch beschlossen, er 
dürfe sich ebenso, wie vordem, der priesterwürde bedienen; andrerseits aber thränen vergossen 
(dmacuan), nicht sowohl über den, der ungerecht verdammt worden war, als wie über diejenigen, 
welche verdammt hatten, das aber ist: den schikanösen (lajjnicä) anklägor und den wunderbaren riehter. so 
Aber sie haben hierin nicht bloss (fol 59'' 3) einen febltritt begangen — ein Sünder, der leicht zu heilen 
war, ist ja oft dagewesen — sondern sich erfrecht (scau), in Gottes wege eine irrlehro zu werfen; manch 
arglose die gränzen der gottesfurcht überschreiten zu lassen, und zum zweiten mal, als ob os zum 
anfang [wäre], mitten hinein zu tragen die unreinen und unsaubern dogmen des Nestorios, 
welche [acc.] aufgehoben hatten die ausoinandersezungen eurer gläubigen gesezo, und die selige x> 
früher in Efesos versammelt gewesene synode, sofern diese, nicht ohne das hinzukommen und die 
erleuchtung des heiligen geistes, auch folgendes bestimmte: „Es solle niemandem erlaubt sein, einen 
andern glauben neben dem in Nikaia anerkannten, zu verfassen, geschweige aufzusuchen, oder zu 
erneuern, oder nichtzuerschütternde dinge auf irgend welche weise zu erschüttern; dagegen sollen die, 
welche es thun, ausgeschlossen werden“: bischöfe von der bischofswürde, klerikor vom klerus, laien von 40 
der gemoinschaft der heiligen mysterien; denn da sie [die synode] ja durch den geist redete und 
erfüllt war mit menschen (onäsä), die mit der rede untadelhaftor lehre reich [begabt] waren, so wusste 
sie und war überzeugt, dass: „sich mit unnüzen Worten zanken, den zuhörenden zumal zum stürz 
gereicht“ [2 Tim. 2,14], (fol 59 v 1) wie der weise Paulos gesagt hat, der auch in dem darauf folgenden 
[16] so spricht: „Eitlen und fremden Worten entziehe dich: denn sie werden [noch] mehr zunehmen 45
	        

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