Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Ioannes, presbyter und erster der notare, las. 
Dem heiligen und gottesfürchtigen herrn, unserm bruder und amts- 
bruder Dioskoros: [sendet] Domnos in unserm herrn gruss: 
Anlässen zu frieden in Gott von allen seiten nachzujagen, solche zu Zwietracht und streit 
gern zu vereiteln, ist rechtschaffen. Nun ist sich deine frümmigkeit deutlich bewusst der früher dage- * 
wesenen anlässe zu jenem streite, der binnen kurzem (fol 100') die endendes erdkreises erreichte 3 “ 
und den kaum beigelegt und die zerstreuten gesammelt hat der barmherzigen und christusfürchten 
den könige bemühung und auch die Weisheit derer, welche unsere Stühle zierten: denn der selige 
Iöannes, der vor meiner Wenigkeit den Orient verwaltete, war mit ganzer seele des fricdens 
beflissen, nachdem er den königlichen kompromissen 3 “ nachgegeben hatte (incAr»*); und der selige 10 
Kyrillos, der vor deiner frümmigkeit Aegypten leitete, bewies ähnliche fürsorge, wie diese, 
und willen’für dieselbe (hläfeih). Nachdem er nämlich von dom in gutem andenken [ruhenden) 
Paulos von Emesa (Paule d Hemfe) erfahren hatte, dass denen die im Osten wohnen, die zwölf 
kapitel gefielen (sfaru), that er zwar in dem schreiben an den seligen Ioannes derselben 
gar keine erwähnung, sondern war mit den [auseinandcr]sezungen (**««»f die von hier 15 
über die menschwerdung geschickt wurden, einverstanden, schrieb eine zustimmende ruckantwort 
(cenjänä d salmütä), rottete die feindschaft mit ihren wurzeln aus, und gab den heiligen kirchen 
Gottes auf dem erdkreise den frieden wieder. Somit hatten die kirchen des Orients und 
Occidents durch Gottes gnade bis jezt beständig eintracht in Gott. Diese lass, bitte, auch uns 
bewahren, und nicht zu aufspürern andren Zwiespalts für die kirchen werden: denn wenn die gott- 2» 
liebenden bischöfe, ehrerbietigen kloriker und gläubigen gemeinden (kense im Orient (fol 100 v ) 
erfahren sollten, dass wir dieser kapitel 312 erwähnung thun, so dürfte deine frömmigkeit [dann] recht 
bekommen (tassar), dass sie auch die gemeinschaft mit mir meiden; sollten diess aber gar die christus- 
liebend[st]en dieser apostolischen kirche erfahren 313 , so wisse, gottliebender, dass sie uns entweder 
offen Verachtung bezeigen (säjtin) oder die kirchen veröden lassen: dermassen werden sich alle gegen 23 
die erwähnung der kapitel 312 sträuben (metcasqm b). Lass uns also, bitte, den kirchen gegenüber keine 
aufspürer einer Störung werden, die nicht leicht wieder zur ruhe kommt; sondern lass uns bei den 
schriftlich gemachten friedenskompromissen 311 halt machen (nqim) und den brief 21 “des seligen Kyrillos 
und den brief des unter den heiligen [ruhenden] Athanasius, den er an E pikte tos 21 “ geschrieben 
hat, bestätigen. Denn deren erwähnung findet sich in den Vereinbarungen (qjäme) über den frieden . 3o 
Freilich von denen, die aufrühren wollen, und es darauf absohn, erkleckliches (oidlcüta) aus den 
Spaltungen zu gewinnen: wollen wir uns abwenden, als von feinden des heils. Denn wisse wohl, 
gottliebender, dass wir bitterlich geseufzt haben (oettannahnan) als uns einige zu wissen thaten, 
dass, als das gedächtniss 3,4 gefeiert wurde, einige von den mönchon bei euch vor der gemeinde 
(lein kensä) zu schreien und zu sagen sich vermesson haben: „Ob ihr wollt, oder nicht wollt: Gott 35 
ist gestorben.« Was giebt es böseres, als diese lästcrung? Dieses haben nicht einmal die, welche 
den ansichten des Areios huldigen, (fol 10P) irgendwo auszusprochon gewagt. Zwar sträubte sich 
deine frömmigkeit, wie wir erfahren haben; allein sie ertheilte denen, die sich zu so grossem frevel 
verstiegen («<ixtdav, sreku) keinen verweis: es hätten doch auch die andern [die laion] die grosse 
des frevels dadurch erfahren sollen. Ich ersuche nun darum, dass sie sich auch nicht der geringsten w 
freiheit (»in diesen dingen erfreuen dürfen, und dass die anathematismen (hermo) ruhe 
(nauhä) haben mögen; denn sie haben uns schon früher ruhestörungen angestiftot. Auch haben 
wir deine frömmigkeit betreffs der gottiiebcuden bischöfe und ehrerbietigen kloriker im Orient 
bereits hinreichend überzeugt, dass sie alle dem von den seligen und heiligen Vätern in Nikaia 
Bithyniabs [auseindor]geseztcn glauben zustimmen, mit dem auch die in Efesos vorsammelt i.>
	        

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