Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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[gegen] diejenigen schleudern, welche, nachdem die Scheidewand (o fruroroi/os) zerstört ist, begierig 
sind, sie wieder aufzurichten, indem sie vielleicht nicht in Überlegung ziehen und sich nach pflicht 
sagen: „wenn ich wiederaufbaue, was ich niedergerissen habe, so habe ich allerdings (geir) in 
betreff meiner selbst bewiesen, dass ich gebotsübertreter bin“. Dass diess diejenigen, welche das 
5 priosteramt und lchramt übernommen haben, [entweder] überhaupt nicht bedenken, oder unrichtig 
nennen: ist zwar jeglichen makels und spottes (mümä wgohkä) werth; wer aber wird, wenn durch 
solche in derselben grossen kirche von Antiocheia sich eine [ganze] menge von laien (Uoi) 
versammelt findet, [und] diese ebenfalls Worte der lästerung reden, als ob es niemand gebe, der sie 
zurechtweise: die zähren derjenigen lindern, die daran anstoss nehmen.’' oder wer ist, der cs nicht 
10 als last und beängstigung empfindet, wenn sie an dom orte der heilung, wo sie genesen sollten, 
[gerade] dort dahinsiechen (netnauwlün) ? und doch kann deine gottesfurcht heilen und, was lahm 
ist, mit wort und that gesund machen! (fol 93 v ) Auch habe ich mit erstaunen erfahren, dass, als 
[in der kirche] dort sich eine menge (kensä) befanden und der weise bischof von Kyrros erlaubniss 
zu sprechen, — wie, weiss ich nicht — noch dazu in gegenwart deiner Vollkommenheit erhalten 
15 hatte: [derselbe] nicht gezittert hat, den Immanuel zu spalten, indem er sprach: „Der blosse 
mensch ist einzeln von Thomas befühlt, und Gott einzeln angebetet worden“, und dieses nach 
„seinem herzen, nicht aber nach dem munde ües herron“ redete, wie geschrieben steht [Icr. 23,16]. 
Zu diesem ist es zeit, zu sprechen: Was hast du gesagt?! heda (obres), wohin bist du gekommen, 
und unvorsichtig gerannt, nachdem du den königsweg verlassen hast! lass ab, feindselig mit den 
*> göttlichen schritten zu kämpfen; leg thür und riegel an deinen mund; habe ohrfurcht vor des vaters 
stimme, die vom himmel kommt, und spricht: „Diess ist mein lieber sohn, an dem ich Wohlgefallen 
habe“; halbiere unsern einen herrn Jesum Christum nicht in zwei söhne; denn obgloich er dem 
fleische nach von einem weihe geworden ist, so blieb er doch auch in der annahmc (adoption) des 
mit Vernunft (koytxüs) beseelten fleisches das, was er gewesen war, d. h. aber: Gott; hör auch den 
25 philosophen Paulos dich fragen und sprechen: „Hat sich denn Christus halbiert?“ Nein, wirst 
du nun antworten, wenn du nicht zwei söhne und zwei Christusse und zwei herren annimmst 
(do|«f«f). Allein dir wird sogleich der prophet aufstossen, der dich gezügelt hat, indem er spricht: 
„Diess ist unser Gott und kein (fol 94 r ) andrer wird gedacht werden neben ihm. Er erfand jeden wog der 
erkonntniss und gab ihn seinoin knechte Iakob und Israel, das von ihm geliebt ward: Nach 
«5 diesem erschien er auf erden und verkehrte mit den indischen“ [Baruch 3,35.36], aufdass die heilige 
jungfrau auch gottesgebärerinn genannt, und der evangelist bestätigt würde, da er schreibt: „Das 
wort ward fleisch und barg sich in uns“ [loh. 1,14]. Ebenderselbe, welcher von den Cherubim und 
Seraphim gefeiert (mozdaijah) und geehrt wird [Ics. 6], hat, um unsertwillen wie wir geworden, 
auf einem eselsfüllen gesessen und, als die dienor ihn auf seine wangen schlugen, dor „oinriehtung“ 
as gemäss (mdabbränäolt, olxovo^xms) geduldet (saibar), damit er dio ganze gorochtigkeit erfüllte. 
Diess haben uns diejenigen überliefert, welche von anfung an Zuschauer (hazzaje) und dioner (tf*axovoo) 
dos Wortes waren; diess sind dio doginon dor alten und neuen Synode; diesen hat mit uns Iöannös, 
guton andonkens, der vor deiner gottesfurcht bischof war, vollkommen zugostimmt — ich wonde 
mich inzwischen wiederum zu dir, o gottliebender priester von Antiocheia und brudor von mir! 
4o Darum hat er nicht nachgelassen, diess eintrachtsbaud (oaujütä) der kirche[n?] bei uns und bei 
euch, fester zu schnüren, welches zu zerroisson gewisse leute nicht im stände sein dürften. Denn 
wenig fehlt, dass sio sogar dio friedenszoit vorschnell tadeln, ohne zu wissen, wie viel besser es 
ist, in frieden zu wandeln; ja im gegentheil, sie verfassen abhandlungen (avyyQ&ufimn) die 
tadelhaft sind, (fol 94 v ) und die, wie sio [selber] sagen, widerspruch (ü'«niov) gegen unsern seligen 
45 und namhaften vater und bischof Kyrillos enthalten: diess beweist ja wahrlich, dass sie tadelns-
	        

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