Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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befremdliches, dass diejenigen böses erdulden, die sich für die gottesfurcht mühen; denn der selige 
Paulos hat längst (avio&tv) gelehrt, indem er spricht: [2 Timoth. 3,12] „Alle, welche in gottes 
furcht leben wollen in Jesu Christo, werden verfolgt werden. Böse menschen und Zauberer aber 
werden nach dem bösen hin wachsen (netrabbön), irre führend .und irrend.“ Wiederum schrie das 
volk: „Die zauberer in’s Stadion! die gottespeiniger ins Stadion! einiger Gott, schleudre du & 
sie nieder (oarmä)!“ und vieles andre schrieen sie von den Worten des auslegers (mfassqänä) 305 
aufgehezt. 
(fol 92 r ) Abschrift des von dem heiligen und erzbischof Dioskoros, bi- 
schof von Gross - Alexandreia, an den gottliebenden Domnos, bischof der 
stadt Antiocheia, geschriebenen briefes. 10 
Es kommt mir [zu], der göttlichen Schrift beifall zu schenken (#«w ( u«Jf»>'), die da sagt: „Ist 
es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen menschen frieden“ [Rom. 12,18]; mehr aber noch 
lobe ich (&avfia(io\ o gottliebender, [diess] wort und bin der ansicht geworden (dänet), dass ich cs 
mit Wahrheit aussprechen kann: da ich von dem psalmisten erfahre und in meinen sinn aufgenommen 
habe (sqil .mä) jenes: [LXX Ps. 119,6] „Mit denen die den frieden hassen, war ich in frieden“. 15 
Wenn mich auch die leute schmähen, so vermeide ich und fürchte ich mich, verlezung (hobbälä) und 
Schmähung (fjohhitä) heimzuzahlen; und wenn sie sich auch unterfangen (metrmein), mich zu 
schlagen und ihre gesinnung durch die that zu erweisen, so ist drohen nicht meine [sache]: alles 
derartige lässt sich ertragen und ist nicht sehr der mühe werth. Das heisst also: mein wille in 
betreff unsrer gemeinsamen angelegenheiten, dass Christus, der eingeborne und erstgeborne sohn 20 
Gottes, derjenige sei, in dem und durch den alles ist, der unsertwegen mensch geworden ist: hat 
auf keinerlei weise auch nur einen schatten von Wandlung von seiten derjenigen erlitten, welche sich 
in Unwissenheit und Schlimmgläubigkeit bis zu dem grade verstiegen haben, dass sie worte (<f,o>vaC) 
der lästerung äussern, (ldargä wnabbcün) und das grosse und tiefe geheimuiss [Sakrament] (fol 92 v ) 
der cinrichtung {olxovo^Ca) in’s unziemliche verzerren: da nun, da, dieweil cs nothwendig ist und 25 
unmöglich, dass ich dem entgehe, werde ich ihr gegner, des einzigen weisen eingedenk, der [darauf] 
hin winkt mit den Worten (dräinez woämar): „Jedes ist schön zu seiner zeit, zeit des krieges und 
zeit des friedens“ [prod. 3,11,8], zeit zu dienen und zu eifern für den herrn! „Ziehet den panzer 
Gottes an“ hört Paulos nicht auf uns zuzurufen [Ephes. 6,13 vgl. 14]. Zu kurz wäre mir der tag, 
wollte ich diejenigen aussprüche der göttliches redenden niederschroiben und anzeigen, die uns an 
einschärfen (latsän), dass wir tapfer [wider]stehn, uns abwenden und diejenigen hassen sollen, die 
unsern herrn hassen. Uebrigons (mekkoil) ist es nun zeit, die gegenstände (vnofHcnn) klar zu logen 
und die aufgabe dieses briefes anzuzeigen. Es behaupten einige — und zwar sind dieselben, wie 
ich glaube, eine grosse und grade zu wandeln wohlkundige schaar —: dass beinahe («5? tlntXv) der 
ganze Orient, eifriges und christusliebendes volk, jezt ärgerniss und Schikane erfährt; und, was 35 
noch schwerwiegender ist: man sagt (lam), dass diejenigen, welche kunstgerecht gut lenken und 
den aufruhr der hereinbrechenden wogen beschwichtigen sollten, selber die sind, welche die stürme 
entstehen lassen, sofern sie des frevelhaften Nestorios gift (merrtä) getrunken haben, und sich 
nicht entblöden, dieses in die kirche auszubrechen (ngassön) und zu lehren, nachdem sie [vorher] 
der heiligen und ökumenischen, ehemals in N i k a i a stattgehabten synode und ihrer Schwester und 40 
gesinnungsgenossinn, ich meine (fol 93 r ) aber, der in E fe s o s, sämmtlieh beigestimmt, und jenes 
mit Christo streitende unthier (haijüta hau) und all seine frevelhaften und befleckten dogmen ana- 
thematisiert hatten. Mancher dürfte denen, die solchen leichtsinu (wankelmuth, psiqütä) besizen, 
sagen, was sie sind, und die pfeilo des wahren sprückwortes: „Ein hund, der sich zurückwendet 
zu seinem eignen gespei; und: ein Schwein das sich badet (dsähe) in kothballen“, [2 Petr. 2,22] is
	        

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