Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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knaben, zu ihm sprechend: „Was siehst du in dem Schälchen?“ Er aber sprach: „Feuerblize (zliqe) 
sehe ich daraus aufsteigen.“ Als er ein weilchen gewartet hatte, fragte er ihn wiederum, indem er 
sprach: „Was siehst du noch?“ Er aber sprach: „Ich sehe einen mann 230 auf einem goldnen thron 
sizen: mit purpur bekleidet, und eine krone (tägä) auf seinem haupte“. Ferner: sie gruben hinter 
der thüre, machten ein tiefes loch, füllten es mit öl (fol 55 v ) und wasser, stellten den knaben hin, 5 
und sagten zu ihm: „Was siehst du in der grübe?“ Und er sprach: „Ich sehe Habbib, ^Aßßtßog) 
des bischofs sohn, des weges kommen;“ — denn er war nach Könstantinüpolis gereist (hziq) — „und 
diesen“, — sagte der knabe, — „sehe ich auf einer schwarzen maulthierstute sizen; seine äugen 
bestrichen [= verbunden, geblendet?], und zwei manner zu fuss (ragle) hinter ihm. Und ferner: Sie 
brachten ein ei; und gossen, nachdem sie es geöffnet, zwar das weisse fort; aber liessen sein dotter; 10 
und sprachen zum knaben: „Was siehst du in dem ei?“ Er sprach: „Ich sehe Habbib zu rosse dos 
weges kommen; eine haiskette liegt um seinen nacken, und zwei manner kommen ihm vorauf.“ Und 
an dem tage nachher kam des bischofs sohn von Könstantinüpolis an, sowie sein vater gewahr 
sagt hatte (qftam). Dieses hat der knabe, nebst seinem vater uud seiner mutter, mit schwüren auf (^) 
das evangelium vor zeugen gestanden und gesagt: wie der knabe es geschaut, so sei es geschehn. ir> 
Es pflegte ferner aber der knabe zu sagen: „Acht monate lang, wenn ich spazieren ging, pflegten 
sieben in weisse gewänder gekleidete menschen vor mir her zu gehn;“ und diese acht monate hin 
durch war der zu Wahnsinn verkehrte knabe ohne seinen verstand, und sie vermochten ihn kaum 
von seinem Wahnsinn abzubringen, nachdem sie ihn an die heiligen Örter geführt und mit dem 
heiligen öle gesalbt hatten. Was soll man aber über jene bücher der astrologen sagen! Auch die 20 
sie geschrieben haben, befinden sich in Telia, die schreibersleuto 231 (onä'sä kätöbö) hypodiakon 
Märä[s]; die diakonis sinnen der kirche: Aidos[ia] (lEO^O)) und Stratonike, und der stadt- 
archiatros 232 Petros, der sogar eingeräumt hat, dass er* sie gelesen habe (so). Aber Uranfios], 
diakon derselben stadt, sah, als er zur bischofswohnung hinaufstteg, um zu bewirken, dass derselbe 
einen almosenschein 233 unterschreibe, wie der gute 234 bischof die kupferne [himmelsjkugol (<r,/,«»(>«) 2.-. 
seiner bösen Wahrsagungen (qejjmauhi) trug und sie betrachtete; und theilto, als er hinabgestiegen 
war, allen seinen kollegen alles mit, was er gesehen. — Und als oh so vieles böse ihm nicht genug 
wäre, so führte sein sohn Habbib den Hosych[ios] ( c Vo^/), einen Juden daher, hicss ihn in 
die bischofswohnung hinaufsteigen und ass mit ihm der Juden gokäu (malcsä) 235 , in abwosenheit 
seines vaters. Und in der pfingstwocho, welche hindurch wir faston 238 , speiste er mit dem Juden in 30 
der bischofswohnung: und es Hess dieser [mensch] den Juden gegen die zehnte stunde sich [zu tische] 
legen (xarixUvf) und führte ihn in die apostelkircho (änoatoleTov), während der gottesdionst stattfand 
(qaimä.) Dadurch nun geriethen stadt und kleriker in aufregung und jagten den Juden und Habbib 
hinaus. Hinausgejagt/flohen sie ins praitörion des dux (J'oilg) Flöros (Flora). 231 Der frevler und 
heido Flöros seinerseits, Hess sich bewogen, sich gegen die stadt zu waffnen; und sie vollbrachten :r> 
in der stadt viele mordthaton (qetle) an männern und knaben, und vcrlcztcn mehr als hundert 
(fol 5G V ). Die getroffnon flohen zwar zum heiligen altar, aber auch nicht einmal dort wurden die 
pfeile aus ihren körpern gezogen: ihr blut ward vor dom altar vergossen! und so starb eine menge 
von ihnen, indom sie den altar umklammerten. Nun erbitten wir von dieser eurer heiligen synodo: 
sie möge uns an diesem zauber- und mord-mcnschon rächen, denn die ganzo laionschaft (A«o?) und 40 
das corps (läyfia) der mönche haben geschworen: „Wir werden diesen nicht mehr (mekkeil) an 
nehmen, auch nicht mit ihm gemeinschaft halten oder irgendwo mit ihm verkehren,“ weil sic gesehen 
haben, dass sogar eine bogegnung mit ihm (pegeeh) schädlich ist. Darum habon ja auch dio herm 
des ordkreises gehör vorstattet (smacu) und befohlen, Hi bä und Söfron[ios] sollten, bis von 
eurer heiligen synode ihre absezung stattfände, unangefochten bleiben (notnattrun). Das aber, was »r>
	        

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