Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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VI. 
Hypomnemata, welche betreffs Sofron[ios], bischofs der stadt Telia 2 ” 
5 [KuvcrTcivrlvri] verhandelt wurden. 
Iüannes, presbyter und erster der notare sprach: Presbyter Simeon und die 
diakonen K y r o s und Eustathios von T e 11 ä haben an eure heiligkcit libelle gerichtet {imdedwxaci), 
welche ich in meinen händen trage, 226 um [sie] vorzulesen, wenn es eure grosse und selige 
synodo befiehlt. 
Iübenalios, bischof von Jerusalem, sprach: Sie mögen gelesen und in die Ver 
handlung der denkschriften ( nqcciig tiöv vno/jvt][iärwv) gelegt werden. 
Und er las: 
Der heiligen und gottliebenden ökumenischen, durch Gottes gnade in 
der metropolis Efesos versammelten, synode: von dem presbyter Simeon und 
15 den diakonen Kyros und Eustathios und den übrigen [klerikern] der stadt 
Telia. 
Indem wir von den heiligen vätern unterwiesen sind, diejenigen anzunehmen, welche Gott 
preisen, und abzuweisen, die ihn lästern: bitten wir, es möge das libcll, welches wir tragen, ange 
nommen und dasselbe eurer heiligen und ökumenischen synode vorgelesen werden. 
Da Söfron[ios], bischof unserer stadt Telia — welcher ein vaterbrudersohn Hibä’s 
bischofs von Edessa ist — einer [eines?], der den schönen namen (fol54 v ) der von Gott geliebten 
priesterwürde bei Seite geworfen hat; 221 obgleich ihm bei nacht und bei tag im gebet zu verharren 
und nicht allein seine eignen, sondern auch der gemeine (A«ö f ) Sünden zu sühnen geziemt hätte: 
nicht daran gedacht hat, von alledem etwas zu thun, sondern das gegenthoil, als: dämoncntisch 227 “ 
25 Ver wcrflicho rechenkunst von der bewogung und irrung (nl&vtj) der gostirno, wahrsagcrei (qäfjömütä) 
und heidnische vorhersagerci getrieben hat; und ihm das böse dogma des No st or io s, das er von 
seinem verwandten Hlbä erlernt hat, nicht genug gewesen ist, sondern er sich obendrein auf alle 
jene bösen dinge geworfen hat: darum erbitten wir von eurer frömmigkoit, sie mögo nur, statt der 
vielerlei dinge, die er gethan, das wenige anhören, was von uns in aller demuth gesagt wordon soll. 
Als er nämlich einmal auf reisen gegangen war, traf es sich, dass er bestimmtes gold 
verlor; und, als er auf einige leute verdacht hatte und sio bei dem evangolium hatte schwören 
lassen, war ihm das nicht genug, sondern, indem er wie dio hoiden eine probe mit brot und 
käse 22 " anstollto, zwang er sio zu essen. Als er [es] nicht fand, veranstaltete er persönlich 
phiolcnwahrsagung 220 und sprach: „bei dem und dem manne wird sich das gold finden: 
35 s °üi name ist der und der (plan), sein kleid so und so beschaffen“ (zcpplän) (fol 55 r ); und, weil die 
dämonen diosen in seiner verirrung bestärken wollten, so zeigten sio den dieb an: nicht, weil sio 
jenen morden wollten, sondern weil sio bemüht waren, einen bischof in’s verderben zu tauchen 
Dasselbe that or ferner noch einmal und vollbrachte es vermittelst derselben phiolcnwahrsagung. 
Wir haben dieses von Simeon erfahren, dor ihn in der bischofswohnung (tmaxonftov) zu bedienen 
411 pflogt. Dessen sohn nämlich brachte er daher (dbar) und Hess ihn nebst seinem verwandten, dem 
diakon Abraham, allein in die schlafkammer (xonoiv) treten; nachdem sie nun in dio mitte einen 
tisch gestellt hatten, sezten sio unter den tisch ein weihrauchopfer für dio dämonen; auf den tisch 
dagegen ein schälchon (?<>a.«r), öl und wasser enthaltend; stellten den knaben nackt neben (fjeid) 
den tisch, deckten alles mit einem reinen linnen zu, und der diakon begann worte zu flüstern, dio 
45 lhm der hischof kraft seiner bösen wahrsagekunst formuliert hatte (oafjfjah). Und sie fragten den 
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