Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Landtage, welche dahin gestrebt haben, dass dieser Bau nicht auf die freiwillig dar 
gebrachten Gaben beschränkt bleibe. Dank insbesondere unserm geliebten Könige 
und Kaiser, dessen edler Wille allen Verzögerungen dieses Baues ein Ziel gesetzt hat. 
Es ist dadurch zugleich ausgesprochen worden, dass die neuen Unterthanen Sr. Majestät 
Anspruch auf gleiches Recht und gleiche Anerkennung ihrer provinziellen Wünsche 
und Eio-enthümlichkeiten mit den alten Provinzen des Staats besitzen und die kleineren 
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Hochschulen vor den grösseren nicht zurückgesetzt werden dürfen. 
Möge denn der beginnende Bau einer Deutschen Friedenseiche gleichen, die 
Unter ihrer wachsenden Krone Schaaren sammelt, welche im Schatten ihres Laubes 
die Wonne eines stillen Genusses der Erquickungen empfindet, die in dem Reiche 
ächter Bildung nicht weniger gefunden werden können, als in dem Reiche der schönen 
äusseren Gotteswelt. Möge dieser Bau die Pflanzstätte wahrer Gottesgelahrtheit, ge 
diegener Rechtskunde, wachsender Bekanntschaft mit den Zuständen des leiblichen 
Lebens und tiefen Forschens auf allen andern Gebieten wissenschaftlicher Erkenntniss 
Werden, welche ihr universeller Name in sich schliesst. Es möge Nichts dahin gehören, 
Was nur im Dienste vulgärer Nützlichkeit steht, aber auch Nichts davon ausgeschlossen 
sein, was über das ganze humane Leben Licht verbreiten, Aufklärung im edelsten 
Sinne des Wortes geben, mit Einem Worte einer Bildung dienen kann, die nur da 
wahrhaft zu finden ist, wo es nichts Abgeschlossenes giebt, sondern ein stetes Weiter 
streben, eine fortdauernde Evolution aus dem Kleineren zum Grösseren hinan, eine 
Lust am Fortschritt in allen Richtungen des inneren wie des äusseren Lebens, einen 
Genuss, der sich gesteht, dass es nichts Köstlicheres in der Welt giebt, als das Be 
wusstsein, dem unerreichbar Vollkommenen doch immer näher entgegenzuschreiten 
und auf diesem Wege selbst den göttlichen Geheimnissen Aufschlüsse der befriedi 
gendsten Art abzugewinnen. 
Ja, endlich ist das schöne Ziel errungen, 
Um das schon lange uns’re Hoffnung rang; 
Und was vereinten Kräften je gelang, 
1st hier zum wahren Landeswohl gelungen. 
Jetzt feiern wir, der Hammer wird geschwungen, 
Und wenn der Schläge ernster Schall verklang, 
Dann steht es fest, dass unser kühner Gang 
Durch alle Hindernisse ist gedrungen. 
Schon regt die Freude ihre gold’nen Schwingen 
Im Vorgefühle einer künft’gen Zeit, 
In der Ein Tag uns strahlt in Herrlichkeit, 
An dem wir jubelnd in die Hallen zieh’n, 
Wo wir der Wissenschaft ein festlich Grün 
Um ihres neuen Tempels Thore schlingen.
	        

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