Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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deutscher Erde, dessen Zusammenhang mit der ganzen Germania von den Vogesen 
bis zum kurischen Haff und vom Bodensee bis zur Königsau wir dem grössten Er- 
eigniss verdanken, wovon die neuere Geschichte zu berichten weiss. Wir verhehlen 
uns nicht, dass dieser Bau auch in seiner schönsten Gestalt, an sich noch keine Ge* 
währ einer grösseren Blüthe des akademischen Studiums in dieser Provinz in sich 
trägt. Gleichwie aber die Tempel der Griechen noch in ihren Ruinen dafür zeugen, 
dass sie aus dem Geschmack eines hochgebildeten Volkes hervorgegangen sind und 
gleichwie die allgemeine Freude über die Erhaltung des Strassburger Münsters zum 
Beweise diente, dass es einen deutschen Charakter giebt, der in solchen Denkmälern 
der Baukunst mehr als eine blosse Befriedigung des Schönheitssinnes empfindet: so 
liegt in der Art und Weise, wie unser Unternehmen entstanden ist, die sicherste 
Bürgschaft dafür, dass dieser neue Tempel der Wissenschaft für die schon unter 
ungünstigeren Verhältnissen so glänzend bewährten Lehrkräfte ein Mittel werden wird, 
dem wissenschaftlichen Beruf mit desto grösserer Freudigkeit zu folgen und eine 
Schaar wissensdurstiger Jünglinge an sich zn ziehen, deren Dankbarkeit für die Gabe 
ihrer Väter sich nicht würdiger zeigen kann, als durch den Besuch dieser Hochchule, 
wo dieselbe Wissenschaft ihren Wohnsitz aufzuschlagen hat, welche auf allen deutschen 
Universitäten gelehrt w'ird und unser Volk vor wälscher Seichtigkeit bewahrt. In 
diesem Sinne legen wir den Grundstein des künftigen Gebäudes als ein Symbol der 
Gründlichkeit des Strebens, welches in seinen Räumen herrschen wird. In diesem 
Sinne wird dieser Bau einem Schiffe mit scharfem Kiel gleichen, welches seine Be 
satzung mit Sicherheit durch hohe Meere führt. In diesem Sinne wird dieser Bau in 
seiner Schönheit und zweckmässigen Einrichtung die Schöpfung einer Kunst werden, 
welche das Utile mit dem Dulce zu verbinden und ihre formbildende Aufgabe so zu 
erfüllen weiss, dass es eine Lust sein wird, in diesen Hallen den Worten der Weis 
heit und des Rechts und aller übrigen Zweige wissenschaftlicher Erkenntniss begierig 
zu lauschen. 
Ich habe versucht, mit einigen Zügen den Empfindungen der Freude Ausdruck 
zu geben, welche mit dem heutigen Tage über unser Land aufgegangen ist. Lassen 
Sie uns aber auch nicht übersehen, zu welchem Danke wir Alle verpflichtet sind, die 
wir diesen Tag als den Anfang der Segnungen betrachten, die über das jetzige junge 
Geschlecht und über viele künftige Geschlechter ausströmen werden. Dank daher, 
inniger Dank vor allen Anderen Denen, die durch ihre freiwilligen Beiträge zu den 
Baukosten das Werk ermöglicht haben, dessen Ausführung mit dem heutigen Tage 
beginnt. Gleicher Dank allen Denen, die sich an diesem Werke durch thätige Mithülfe 
in mancherlei Gestalt betheiligt haben, und unter denen die verehrlichen Frauen nicht 
vergessen werden dürfen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, einen Fond zu 
bilden, dessen Verwendung zu irgend einem hervorragenden Schmucke des neuen 
Gebäudes bestimmt ist. Dank aber auch den Männern im Königlichen Rathe und im
	        

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