Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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ger wäre es aber geworden, einen Bau herzustellen, welcher allen Ansprüchen an ein 
solches den höchsten Bildungszwecken gewidmetes Gebäude entsprochen haben würde 
Diese Sachlage führte daher zu dem Beschlüsse des Centralcomites, die Aushülfe des 
Staats in Anspruch zu nehmen. Sind doch die Universitäten, und namentlich die 
Deutschen Universitäten, nicht auf die Bildung in engeren Kreisen beschränkt. Jede 
derselben soll an ihrem Theile dazu beitragen, dass der ächte wissenschaftliche Geist 
sich über unser ganzes Deutsches Vaterland ergiesse. Daher trägt jeder dazu gehörende 
Einzelstaat die heilige Pflicht in sich, mit seinen Mitteln einzutreten, wo es sich um 
Gründung' neuer oder um Verbesserung des Zustandes vorhandener Hochschulen 
seines Territoriums handelt, und nirgends hat diese Forderung einen triftigeren Grund 
Ms wo, wie in unserem Falle, es darum gilt, einer freien Opferwilligkeit zu zeigen, 
dass die Staatsregierung diesen Sinn anzuerkennen und zu schätzen verstehe. 
In dieser Erwartung haben wir uns denn auch nicht getäuscht. Der Beschluss 
des Centralcomites, die weitere Ausführung des Unternehmens in die Hand der Re 
gierung zu legen und derselben dazu die angesammelten Beiträge zur Disposition zu 
stellen, hat die Folge gehabt, dass der Landtag die fehlende Summe bewilligt und 
das betreffende Ministerium sich mit dem geschäftsführenden Ausschuss und mit der 
akademischen Behörde in Beziehung gesetzt hat, um zur bautechnischen Fesstellung 
e ines allen Bedürfnissen entsprechenden Bauplans und zur definitiven Bestimmung des 
Bauplatzes zu gelangen. Ist hierdurch wieder eine Stockung in der Bauausführung 
eingetreten, die wir nicht erwartet hatten, so soll doch an einem Tage, wie der heutige 
ist, Alles vergessen sein, was uns in dem Vollgenusse der Gegenwart stören könnte. 
Hochgeehrte Versammlung! Wer ein lange ersehntes Ziel erreicht hat, der 
wird sich des Glückes bewusst, dass alle Hindernisse auf dem Wege dahin über 
wunden worden sind. Wir stehen jetzt an der Wiege einer schönen Zukunft und 
wollen der Freude Raum geben, dass es uns vergönnt ist, diesen Tag zu schauen. 
Mag immerhin das Werk, welches wir beginnen, seinen ersten Impuls von der nordi 
schen Hybris empfangen haben, die vor Jahren auf uns lastete; ein so glücklicher 
Erfolg hätte daraus nicht hervorgehen können, wenn nicht der Gegenstand, auf den 
diese Liebe zur engeren Heimath sich richtete, bewiesen hätte, dass unser Schleswig- 
Holsteinisches Volk nicht bloss den Pflug zu führen und Handel und Schifffahrt zu 
treiben versteht, sondern auch da, wo es sich um die edelsten Güter des Lebens 
handelt, bereit ist, für deutschen Sinn und deutsche Ehre einzutreten. 
Nicht aber genug, dass unsere Freude auf einem so edlen Grunde ruhet, wir 
bleiben nicht bei diesem Bewusstsein stehen, sondern richten unsern Blick heute 
vorzugsweise auf das, was dieser Tag in seinem Schoosse birgt. An die Stelle der 
Ungewissheit über den Bauplatz ist eine nicht mehr veränderliche Entscheidung ge 
treten. Und wie auch immer die Wünsche gelautet haben mögen, ein hortus ist es 
jedenfalls, worin dieser Bau erstehen soll, und dieser Garten ist jetzt ein Fleck
	        

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