Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Anklang fand. Damals lag uns nichts näher, als den Tag in’s Auge zu fassen, an 
welchem vor zweihundert Jahren unsere CHRISTIANA ALBERTINA inaugurirt wurde. 
Es bildeten sich in schneller Aufeinanderfolge zahlreiche Localcomites in beiden 
Herzogthümern und selbst das Herzogthum Lauenburg schloss sich davon nicht aus. 
Ueberall beschäftigte man sich mit der Ansammlung des erforderlichen Baufonds, und 
die Zeichnungen freiwilliger Beitragsleistungen begründeten die Hoffnung, dass eine 
ihrer Bestimmung entsprechende Bausumme erschwungen werden würde. Unterdessen 
eonstituirten sich die einzelnen Localvereine, aus deren Delegirten ein Centralcomite 
als beschliessende Behörde hervorging, während einem geschäftsführenden Ausschuss 
die Ausführung der gefassten Beschlüsse und die Wahrnehmung alles Dessen obge 
legen hat, was die Förderung des Unternehmens erheischte. In dieser Weise gelang 
es denn auch, während der ersten Zeiten, diesen Plan soweit zu verfolgen, dass es 
den Anschein gewann, den beschlossenen Bau bis zum 5 October 1865 seiner 
Vollendung entgegenfuhren zu können. 
Diese Aussicht verdunkelte sich jedoch allmählich, und damit ist, wenn auch 
aus anderen Gründen, derselbe Fall eingetreten, wie schon hundert Jahre früher, wo 
dieser Tag ohne lauten Jubel vorüberging. Schon hatte die Universität, selbst dem 
Bauvereine ihre mitwirkende Hand gereicht; schon waren Preise für den besten Bau 
riss und Anschlag ausgeschrieben; schon hatten die erwählten Preisrichter aus Berlin 
und München sich mit der Beurtheilung der eingegangenen Preisbewerbungen be 
schäftigt, als die Differenz der Ansichten, welche über die Wahl des Bauplatzes 
hervortrat, zu vielfachen Untersuchungen und sonstigen Weiterungen führte, welche 
nicht nur den Fortgang der Sache hemmten, sondern auch einen sehr nachtheiligen 
Einfluss auf das Interesse für dieselbe gewannen und es immer schwieriger machten, 
die gezeichneten Beiträge zu realisiren, während dazu, nach Beschaffenheit der Ent 
stehung dieser Zeichnungen, keine Zwangsmittel angewendet werden konnten. Ausser 
dem trat bekanntlich mit dem Schluss des Jahres 1863 ein veränderter Landeszustand 
ein. So hat es sich daher zugetragen, dass die damals angeschlagene Bausumme mit 
Einschluss der einstweilen zinsbar gemachten Bestandtheile derselben nur bis zu 
ungefähr zwei Drittheilen des v Bedarfs hat exigirt werden können. 
Es würde aber doch eine gar zu traurige Erfahrung gewesen sein, wenn dieses 
unter den glücklichsten Auspicien begonnene Werk hätte aufgegeben oder auch nur 
auf einen soviel geringeren Aufwand hätte beschränkt werden müssen. Diese ße- 
sorgniss ist jedoch überwunden, und der heutige Tag liefert den Beweis, dass die 
That an die Stelle der Hoffnung treten wird. Sind auch schon sieben Jahre des 
dritten Jahrhunderts unserer Landesuniversität abgelaufen, so ist damit doch nicht 
verloren, was eine begeisterte Zeit gebar. Hätte man sich auf einen massigeren 
Kostenaufwand beschränken wollen, so hätte damit der freiwillige Charakter dieses 
Unternehmens in seinem ganzen Umfange festgehalten werden können. Desto schwieri-
	        

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