Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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gegeben werden und Se. Majestät der Kaiser und König genehmigten unterm 11. März 
v. J., dass der Bau des neuen Universitätsgebäudes zu Kiel nach dem in der Ab 
theilung des Handels-Ministeriums superrevidirten generellen Bauproject aufgeführt 
und als Baustelle dazu der in dem Gropius’schen Situationsplane bezeichnte nördliche 
Theil des Kieler Schlossgartens verwendet, resp. an die Universität abgetreten werde. 
Letzteres ist geschehen und so wird der Bau denn aufgeführt werden auf diesem von 
der Natur so reich ausgestatteten Platze in unmittelbarer Nähe der akademischen 
Krankenhäuser und der den übrigen akademischen Instituten, der Bibliothek, dem 
zoologischen und anatomischen Museum, dem physiologischen Institut, dem chemischen 
Laboratorium, dem botanischen Garten gewidmeten zusammenhängenden Grundstücken, 
welche mit grösster Liberalität aus allgemeinen Staatsmitteln erworben sind. 
Ein reicher Gewinn ist es geworden, was Anfangs beklagt wurde, dass nicht 
die zweihundertjährige Säcularfeier der CHRISTIANA ALBERTINA durch die Ein 
weihung des neuen Gebäudes begangen werden konnte. Das Alter allein ist es nicht, 
was von Menschen gegründeten Anstalten die Ehrwürdigkeit verleiht, sondern die 
mit den Jahren wachsende segensreiche Wirksamkeit derselben. Und an dieser hat 
es der Universität in den letztverflossenen Jahren nicht gefehlt. Viele hochverdiente 
Männer, deren rastlose Thätigkeit an der hiesigen Universität in frühere, zum Theil 
in eine lange Reihe früherer Jahre zurückreicht, sind ihr erhalten geblieben und eine 
grosse Anzahl geist- und kraftvoller Männer, die sich einen rühmlichen Namen in der 
Wissenschaft erworben haben, sind ihnen zugesellt und befinden sich mit ihren älteren 
Collegen in dem edelsten Wettstreit, um den Ruhm der Universität, der sie jetzt 
angehören, zu erhöhen. Alle Hülfsmittel, deren die Wissenschaft in allen Fächern 
bedarf, werden reichlich gespendet. Ein weiter Raum ist ihr zu Gebote gestellt, auf 
dem in wenigen Jahren die wichtigsten Anstalten, die ihr dienen, vereinigt sein werden. 
Und wenn damals über dem Schicksal des Landes und seiner Universität noch manches 
Dunkel und manche Zweifel herrschten, so hat sich dies alles seit dem aufs Herr 
lichste aufgeklärt. Deutschlands Kaiser und Pr e u s s e n s K ö n ig ist auch 
dieser Universität Herr und Beschützer. Wolle denn auch Gott das neu 
zu errichtende Gebäude in seinen gnädigen Schutz nehmen und zerstörender Elemente 
feindliche Kraft von ihm fern halten und möge diese Stätte für Jahrtausende eine 
Stätte bleiben, auf der zahlreiche deutsche Jugend in Gottesfurcht, in Liebe und 
Verehrung für ihren Kaiser und König und sein erlauchtes Haus, in der Liebe zum 
Vaterlande gestärkt und durch das himmlische Licht der Wissenschaft erleuchtet 
wird. — Hiemit ersuche ich den Herrn Baumeister, Professor Gropius, Sr. Kaiserlichen 
Königlichen Hoheit den Hammer zu überreichen.
	        

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