Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Werke geschritten werden konnte. Ein Programm für den Bau, ein Bauplan sollte 
unter Zustimmung aller betheiligten Auctoritäten festgestellt, ein Bauplatz gewählt 
werden. Darüber musste mehr Zeit vergehen, als worauf man ursprünglich gerechnet 
hatte und wenn auch schon damals der jetzt von Sr. Majestät unserem Allergnädigsten 
Kaiser und König bewilligte Bauplatz auf dem zum Königlichen Schlossgarten gehörigen 
Grund und Boden in sichere Aussicht gestellt war, so konnte doch der Bau nicht in 
Angriff genommen werden, weil die freiwilligen Beiträge noch nicht die ei forderliche 
Höhe erreicht hatten und die damalige Regierung Bedenken tragen musste, den Bau 
zu bewilligen, ehe die veranschlagte, die ersten Erwartungen weit überschreitende 
Summe zur Disposition stand. 
Eine ganz andere Gestaltung nahm die Sache an, nachdem Schleswig-Holstein 
der Pteussischen Monarchie einverleibt worden. Wie in Beziehung auf die Besetzung 
vacanter, die Creirung neuer Lehrstühle und die Ausstattung der wissenschaftlichen 
Institute mit den nöthigen Mitteln die Königliche Staatsregierung es sich angelegen 
sein liess, den Bedürfnissen der Universität ohne Rückhalt Rechnung zu tragen, so 
wurde auch der Plan der Aufführung eines neuen Universitätsgebäudes mit dem grössten 
Wohlwollen aufgenommen. Der bisher entworfene Plan wurde nach Feststellung der 
Bedürfnisse einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und es wurde, als er sich nicht als 
ausreichend erwies, ein neuer Plan entworfen, in dem neben den Hörsälen und den 
Bäumen für die Universitätsfeierlichkeiten, namentlich auch auf die zweckmässige 
Unterbringung der so werthvollen Alterthumssammlungen, welche die Universität 
besitzt, Bedacht genommen wurde. Nach erfolgter Prüfung von Seiten anerkannter 
Fachmänner wurde endlich die Ausarbeitung des Bauplanes einem bewährten Architecten 
übertragen, und da der Kostenanschlag den Belauf der Sammlungen weit über das 
Hoppelte ihres Ergebnisses überstieg, genehmigten Se. Majestät der König, dass die 
Fehlsumme aus Staatsmitteln herbeigeschafft würde, und es fand die desfällige Vorlage 
die Zustimmung des Landtags der Monarchie. 
Aber neben der Prüfung der baulichen Bedürfnisse bestand eine erhebliche 
Schwierigkeit in der schliesslichen Wahl des Platzes. Vielfache in dieser Beziehung 
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geführte Verhandlungen hatten zur Absicht, die möglichst zweckmässige Wahl zu 
treffen und zugleich den Wünschen der Vertreter der Universität, der Stadt und des 
geschäftsführenden Ausschusses möglichst entgegen zu kommen. Der Platz, um den 
sich die Mehrzahl der Stimmen vereinigte, der Platz im hortus medicus am kleinen 
Kiel hatte auch schon die vorläufige Genehmigung des Cultusministeriums erhalten. 
Derselbe erwies sich aber nach wiederholter genauer Untersuchung wegen des Bau 
grundes als kaum brauchbar, da es ganz unverhältnissmässige Kosten verursacht 
haben würde, einen so mächtigen Bau wie den, zu dem wir heute den Grundstein 
legen, auf demselben aufzuführen und selbst dann für die Haltbarkeit des Gebäudes 
kaum genügende Sicherheit würde geschaffen sein. Der Bauplatz musste daher auf-
	        

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