Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Bedeutung. Denn er ist der Pflege der höchsten Interessen der Menschheit gewidmet 
und wenn er sich stattlich erhebt, wird mit ihm ein Denkmal entstehen, welches 
unverkennbares Zeugniss dafür ablegt, wie in dem Wunsche, den Wissenschaften eine 
bleibende und würdige Stätte zu gewähren, die Bestrebungen der Bewohner des Landes 
mit denen der Allerhöchsten Staatsregierung sich die Hand gereicht haben, und 
kommende Geschlechter, auf die die Kunde von der Entstehungsgeschichte des Baues 
übertragen wird, werden in ihm eine Gewähr dafür finden, dass, wo es sich um 
heilige Güter der Menschheit handelt, der sie fördernde Geist, der irn Volke lebt, 
innig verwandt ist dem Geiste, der seine Herrscher beseelt. Schon der erlauchte 
Stifter der Kieler Universität, dessen Namen sie trägt und der in ihrer Begründung 
ein väterliches Vermächtniss vollzog und des eigenen Herzens Bedürfniss Genüge 
leistete, nannte sie sein Kleinod und die Bewohner des Landes in allen Schichten 
der Bevölkerung haben sie während der nun mehr als zweihundertjährigen Dauer 
ihres Bestehens als ihr Kleinod geehrt. Und mit Recht! Denn die Universität ist es 
gewesen, die ihnen die Pfleger der Wissenschaft zuführte, aus deren heilsamen Lehren 
und vorleuchtendem Beispiel sie die Quelle ihres geistigen Lebens und Wohlseins, 
den Trost in Leiden und Ungemach, die Hoffnung auf nationale Erhebung in trüben 
Zeiten und die Kraft und die Kenntnisse schöpften, die verwerthet werden mussten, 
um dem Lande die Stellung unter den deutschen Landen zu sichern und, wo sie 
verloren war, wieder zu gewinnen, auf welche es ein unveräusserliches Recht hatte. 
Lange schon war es ein lebhafter Wunsch, dass der Anstalt, die so Grosses leistet, 
auch ein ihren Leistungen entsprechendes Denkmal gewidmet werde. Denn, wenn 
auch vor mehr als einem Jahrhundert das Universitätsgebäude, in dem der Festzug 
sich so eben versammelt hat, von einem berühmten Meister erbaut, in einer bei seiner 
Einweihung gehaltenen Rede als ein Prachtbau bezeichnet werden konnte, so war es 
doch längst den durch die Erweiterung der Wissenschaften auf allen Gebieten gestei 
gerten Anforderungen nicht mehr genügend. Als daher ein von warmem Eifer für 
die Wissenschaft und von Liebe zu seinem Vaterlande erfüllter Mann die erste An 
regung zur Errichtung eines neuen Universitätsgebäudes gab, konnte es nicht fehlen, 
dass sich überall angesehene, des Vertrauens ihrer Mitbürger sich erfreuende Männer 
ihm anschlossen, um sein Werk zu fördern. Es galt ja, ein Zeugniss davon abzulegen, 
welchen Werth die Kinder des Landes auf ihre Universität legten 5 und zu diesem 
Zweck war es die Absicht, zur Feier ihres zweihundertjährigen Bestehens in dem 
neuen Universitätsgebäude ihr ein ihr würdiges Geschenk darzubringen. Zahlreiche 
Comite’s bildeten sich, um Beiträge hierfür zu sammeln, in einem in Kiel gebildeten 
Central-Cornite fanden dieselben ihren Mittelpunkt und ein aus der Mitte desselben 
gewählter geschäftsführender Ausschuss übernahm die Leitung und unterzog sich mit 
unermüdlicher Ausdauer den vielfachen Arbeiten, die die Förderung des Werkes er 
heischte. Reichlich flössen die Mittel, aber viele Fragen waren zu erledigen, ehe zum 
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