Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Hat doch schon längst die Geschichte ein schönes Band gewebt zwischen den Hohen- 
zollern und Deutschlands Hochschulen. Der heutige Tag, der 3. August gab dem 
in Gott ruhenden Könige Friedrich Wilhelm III. das Leben, und der hat in seinen 
Landen nicht weniger als 3 Hochschulen, die zu Berlin, Breslau und Bonn ins Leben 
gerufen. Und wenn nun schon Vorjahren Preussens Landtag die volle Ergänzung 
der zum würdigen Neubau unserer wissenschaftlichen Hallen erforderlichen Fonds aus 
Staatsmitteln bewilligt hat, wenn noch vor Kurzem für die Herstellung und 
Vervollständigung unserer wissenschaftlichen Institute auf eine Weise gesorgt ist, für 
die wir nicht dankbar genug sein können, wenn kraft des entscheidenden Wortes 
unseres erhabenen Kaisers und Königes der lang oöhnte Neubau unseres Universi 
tätsgebäudes heute mit seiner feierlichen Grundsteinlegung beginnt, und der erlauchte 
Kaiserl. und Königl. Kronprinz, der ruhmgekrönte Hort unserer 
Zukunft, dieses Fest mit seiner erhabenen Gegenwart schmückt, so 
beweist uns das alles nur, wie sehr man auch an massgebender Stelle dem 
Wunsche des Landes entgegen kömmt, dass unsere Alma Mater bleibe und 
wachse, und blühe und gedeihe an demselben Ort, wo sie das Licht der Welt 
erblickt, und getragen von der patriotischen Gesinnung des Landes über 200 Jahre 
gestrebt hat, der leuchtende und wärmende Heerd Schleswig-Holsteins, ein gutes 
Arsenal für die Waffen des Geistes und des Lichts, und eine treue Grenzwacht 
deutscher Bildung, Sitte und Ehre zu sein. 
So haben wir denn wohl Ursache uns zu freuen und Gott zu danken. 
Zwar ist unsere Freude eine ungetrübte nicht. Denn wie manche edle Männer 
und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen sollten sie theilen, und wir sehen uns nach 
ihnen vergebens um. Wie manches Herz hat der Gram vor der Zeit gebrochen! Wie 
manche haben im Kampf für des Vaterlandes Recht und Ehre ihr junges Leben 
geopfert! Wie manche, die nicht der Tod, sondern das Leben von uns trennt, sehen 
aus weiter Ferne zu uns herüber, wie manche wohl auch aus nächster Nähe vom 
schweren Krankenlager, wie jener hochverehrte Greis, der einst an der Spitze unserer 
städtischen Verwaltung, und nachher in seinem ehrenvollen Ruhestande unermüdlich 
und mit aller Kraft bis ganz zuletzt noch für das Werk gestrebt hat, dessen feierlicher 
Anfang wohl nur als ein schöner, erquickender Lichtstrahl in seine Leidensnacht fällt. 
Aber was unsere Freude trübt, löscht sie nicht aus, adelt sie nur, und verleiht 
ihr in noch vollerem Maasse den würdigen Halt, den sie schon durch ihren Gegenstand 
gewinnt. 
Denn ein Universitätsgebäude — was ist das anders, als die heilige 
Stätte, dahin den durch seine Erziehung ideal gerichteten jugendlichen Geist sein 
brennendes Verlangen nach Erkenntniss der Wahrheit zieht? Ohne die kann er nicht 
leben, und die hofft er da zu finden, wo ihm die Pfleger der Wissenschaft redlich 
und vertrauensvoll ihre beste geistige Errungenschaft erschliessen, und zum Sehen
	        

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