Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Für die 'Kaiserlichen Werften zu Kiel und Wilhelmshafen wurden folgende Gegenstände untersucht 
und mit Beurtheilung versehen. 
a. Eilf Bleiweiss-Proben auf ihre Unverfälschthcit und Reinheit. , 
Da es sich in den meisten Fällen um Submissions - Proben handelt, und häufig 
Sorten von gleicher Güte Vorkommen, ein im strengsten Sinne des Wortes chemisch-reines 
Bleiweiss die Fabriken aber nicht liefern, so wurde in diesen Fällen, da der Gleichbe 
rechtigung aller Lieferanten Rechnung zu tragen ist, diejenige Probe für die beste erklärt, 
welche bei übrigens gleichen physikalischen Eigenschaften mit der theoretischen Zu 
sammensetzung das Bleiweiss 2 (PbO. CCP) -j- Pbü. HO, welche 80,31 pCt. Bleioxyd, 
11,34 pCt. Kohlensäure uud 2,32 pOt. Wasser enthält, am meisten übereinstimmte. Die 
Bestimmungen des Wassers und der Kohlensäure geschah wie bei der organischen Analyse. 
b. Drei Proben Mennige, von denen die eine verworfen wurde, da sie nicht einmal 50 pCt. 
an wirklicher Mennige enthielt, während dieselbe bis zu 90 pöt. vorkommt. 
c. Fünf Firniss-Sorten auf ihre Güte und Gleichartigkeit untersucht. Einige waren mit 
borsaurem Manganoxydul, andere mit Bleioxyden bereitet; die Trockenzeit derselben 
verschieden. 
d. Neun Maschinen-Talg-Proben und ein Knochenöl. Die Untersuchungs-Methode war die in 
der Chronik von 1871 pag. 35 sub 8 angegebene. Mehrere Sorten mussten verworfen werden. 
e. Zwei Salzwasser - Seifen von denen die eine aus 57 pCt. Wasser, 10 pCt. Kieselsäure, 
30 pCt. Talg und 13 pCt. Alkali bestand; die andere aber aus 57 pCt. Wasser, 40 pOt. 
Cocusfett und 4 pCt. Alkali. 
f. Zwei Proben Zinn. Beide enthielten zwar mehr oder weniger kleine Verunreinigungen 
von Blei, Arsenik, Wismuth, Eisen, Kupfer; konnten aber dennoch als zu allen gewöhn 
lichen technischen Verwendungen geeignet erklärt worden, da dieselben innerhalb der 
gewöhnlichen Grenzen lagen. 
g. Fünf Sorten Zinkweiss. 
h. Coaks quantitativ auf den Gehalt von Schwefel untersucht, enthielten 0,274 pOt. davon. 
Die Einsendung derartiger Untersuchungs-Gegenstände, bei denen cs auf Genauigkeit und 
Sicherheit ganz besonders ankommt, ist von Interosse, da dieselben Gelegenheit geben, den studiren- 
den Pharmaceuten concrete Fälle zur Bearbeitung vorzulegen,' durch welche sie auf einen Theil der 
ihnen später bevorstehenden Examen-Arbeiten vorbereitet werden. 
7. 
Untersuchung einiger Haar - Färbungsmiltel. 
In Veranlassung eingetretener Kopfkrankheiten wurden zunächst zwei Präparate des sich 
fälschlich Chemiker nennenden C. G. Lattice zu Kiel, untersucht, welche mit unwahren sanitären 
Angaben in der Gebrauchs-Anweisung versehen waren, Sic bestanden in einer Auflösung von 3 pCt. 
essigsaurem Bleioxyde respective 4 pCt. salpetersaurom Bloioxyde in mit Bergamottöl parfumirton 
Wasser, welches eine nicht unbedeutende Menge Schwefelmilch suspondirt enthielt. Sio hatten den 
Kamen Eau de fee. Das Glas voll kostete t Thaler, während der Inhalt höchstens 1 Sgr. worth war.
	        

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