Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Von den 134 im Laufe des Jahres Entbundenen hatten ein durchaus normales Wochenbett . . 67 
es erkrankten theils an fieberhaften Zuständen ohne nachweisbaren örtlichen Krauk- 
heitsheerd, theils an mehr oder weniger intensiven localen Entzündungsprocessen . . 67 
darunter leicht, zum Theil sehr leicht 57 
schwer 10 
von den Erkrankten starben ...... 6 
ausserdem unmittelbar nach der Entbindung .. . 1 
Uebersicht der Todesfälle. Es starben: 
3 im Januar (aus dem Vorjahre krank übernommen: 2 para. Natürliche Geburt. Starke 
wiederholte Nachblutung. Tod am 10. Tage; Befund: Peritonitis, Pleuritis, eitrige 
Thromben im Cervicaltheil, — 1 para. Natürliche Geburt, schon am ersten Tage » 
Fieber, vom 3. Tage an peritonitische Erscheinungen, die unter raschem Collapsus 
den Tod am 6. Tage herbeiführen, — 1 para. Natürliche Geburt; schon vom 1, Tage 
an peritonitische Erscheinungen, die rasch Zunahmen, Tod erst am 15. Tage). 
Diese 3 Todesfälle w'aren die letzten in einer Puerperalfieber - Epidemie, die 
gegen das Ende des Vorjahres begonnen hatte. Als Ausgangspunkt derselben musste 
die Erkrankung einer Wöchnerin angesehen werden, die am 6. November nach der 
natürlichen Geburt eines todten Kindes mit stinkender Nachgeburt eine diffuse Peri 
tonitis bekam und binnen 72 Stunden starb, oder, vielleicht richtiger, die Aufnahme 
einer Wöchnerin mit Pyämio in Folge zurückgebliebener Placentarreste am 20. No 
vember, die ihrer Krankheit nach 5 Tagen erlag. (S. den vorjährigen Bericht). 
Sämmtliche tödtlich abgelaufene Erkrankungen fielen in den Monat December, die 
letzten drei in die letzte Woche des Monats. 
1 im Februar (1 para, enges Becken, grosser harter Kindeskopf in Anfangs ungünstiger 
Stellung; wegen Temperatursteigerung und Erschöpfung der Kreissenden durch die 
lange Geburtsdauer, nach einem vergeblichen Extractionsversuch mit der Zange, 
Perforation des Schädels, worauf die Extraction mit der Zange gelang; Peritonitis 
in Folge des heftigen Geburtstrauma, Tod am 6. Tage). 
1 im April (1 para, sehr enges Becken (Conj. vera auf 6, 5 7 Ctm. goschätzt); vorzeiti 
ger Abfluss dos Fruchtwassers ohne Wehen; der Anfangs beabsichtigte Kaiserschnitt 
w'egen Kleinheit des Kindes unterlassen; Tamponade der Vagina fast ohne Wirkung; 
'nach Anwendung der warmen Uterusdouche zwar kräftigere Wehen, aber auch starkes 
Oedem der After- und Dammgegend, sowüe der hinteren Scheidenwand, bedeutende 
Temperatursteigerung nach vorgängigem Frost, beginnende Peritonitis ; geringer Fort 
schritt der Geburt, zunehmender Collapsus der Kreissenden bei immer schwächeren 
Wehen, beginnender Brand der äusseren Genitalien; Perforation des kindlichen 
Schädels, Incision des Muttermundes; misslungener Extractionsversuch mit der 
Kephalotribe, Beendigung der Geburt durch die Wendung auf die Füsse und 
Extraction an diesen; Tod wenige Minuten nach Entfernung der Placenta. Sections- 
befund: allgemeine Peritonitis ohne wesentliches Geburtstrauma,) 
1 im Juni (1 para. Natürliche Geburt unter auffällig schmerzhaften Wehen ohne Druck 
empfindlichkeit des Uterus; Puerperium anfangs wenig gestört; am 14. Tage mit 
Schüttelfrösten Eintritt einer allgemeinen Peritonitis, ausgehend von dem linken 
Hypochondrium, zugleich Erscheinungen frischer Endocarditis, Tod am 12. Tage. 
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