Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Boi der fortwährend geringen Frequenz der Universität erschien es wünschcnswerth ein 
Mal zuverlässig zu konstatiren, in welchem Verhältnisse denn diese Frequenz zu der Gesammtzald 
der aus den Herzogthümern gebürtigen Studirendon stehe, um hieraus ein Urtheil über die rela 
tive Frequenz der Landesuniversität zu gewinnen. 
Zu diesem Zwecke hat der Unterzeichnete nach den Personalverzeichnissen der Universi 
täten des Reichs und, ausser diesen, noch der Universitäten Prag, Wien und Zürich, eine Zählung 
sämmtlicher im Wintersemester 18 73 /74 daselbst immatrikulirten Schleswig-Holsteiner vorge 
nommen. Um gleichzeitig einen Vergleich mit den entsprechenden Verhältnissen in einer andern 
„Landschaft“ zu gewinnen, wurden auch die studirendon Mecklenburger gezählt. — Mecklenburg 
zum Vergleichsobjekt zu wählen, lag namentlich aus dem Gründe nahe, weil nach der vorwiegenden 
Beschäftigung der Bevölkerung, Landwirtschaft und Schifffahrt, beide Länder grosse Ucberein- 
stimmung zeigen, die Industrie hier, wie dort erst in den Anfängen sich befindet und man ferner 
annehmen durfte, dass die benachbarten grossen Handelsplätze, Hamburg und Lübeck, in gleichem 
Maasse sich als Anziehungscentren auf die Jugend Schleswig - Holsteins, wie Mecklenburgs geltend 
machen würden. Nichtsdestoweniger hat sich eine grosse Differenz in der Neigung zum wissen 
schaftlichen Beruf zwischen beiden Ländern ergeben und der Vergleich fällt, in dieser Hinsicht, 
sehr zum Nachtheil Schleswig-Holsteins aus, wie die in den folgenden zwei Tabcllon mitgotheilten 
Zahlen darlegen. 
Die Differenz wird besonders deutlich, wenn man die Ergebnisse der Zählung auf dieselbe 
Bevölkerungsziffor reducirt. Bekanntlich überragt Schleswig-Holstein an Einwohnerzahl Mecklenburg 
um ein Bedeutendes. 
Die Einwohnerzahl betrug nach der letzten Zählung 
in Schleswig - Holstein 995,042 
in Mecklenburg 654,879. 
Legt man den folgenden Berechnungen die runden Zahlen von resp. 990,000 und 655,000 
zu Grunde, so kommen auf 100,000 Einwohner 
Studirende 
in 
Schleswig-Holstein: 
25,G 
Theologen 9,o 
Juristen 6,o 
Mediciner 0,7 
Philosophen 6,« 
Also, während sich die Ziffer der Theologen 
Mecklenburg, im Vcrhältniss zur Einwohnerzahl 
5 mal soviel Juristen, 
l 1 /* „ „ Mediciner, 
„ „ Studirende der philosophischen Fakultät. 
Als Gradmesser des wissenschaftlichen Sinnes einer Bevölkerung, der sich in der Wald 
des Studiums ausspricht, wird man, für woitoro Grenzen, wohl dio Frequenz der beiden ersten 
Rubriken der philosophischen Fakultät bezeichnen dürfen, nämlich der für Philologie, Philosophie 
und Geschichte einerseits, für Mathematik und Naturwissenschaften andererseits, weil hier das 
„Brodstudium“ am wenigsten seine Stätte findet. Vergleicht man nun darnach beide Länder, so 
fällt der Vergleich sehr ungünstig für Schleswig-Holstein aus. 
Mecklenburg: 
50,o und zwar spcciell 
9, t 
14,r, 
10, * 
15,6 
in beiden Ländern gleich verhält, liefert 
(Fortsetzung siehe pag. 10.)
	        
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