Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

in Bäder von eiskaltem Wasser bringt, da diese Procedur, obgleich gefahrlos, dein 
Publicum stets barbarisch Vorkommen wird, sondern Wasser von der Temperatur 
von 15—20° C. ist in den meisten Fällen ausreichend, auch habe ich mich durch 
an mir selbst angestellte Versuche nicht von der Behauptung überzeugen können, 
dass möglichst kalte Bäder angenehmer sind, als massig temperirte. Contraindicirt 
ist das kalte Wasser nur bei solchen Patienten, besonders kleinen Kindern, welche 
sehr geschwächt sind. 
Thesis VII. 
Tritt in Fiebern eine Betheiligung der nervösen Regulatoren ein, so wird die 
Wirkung des kalten Wassers und des Chinin aufgehoben oder doch stark abgeschwächt. 
Die Berechtigung dieser Behauptung wird selbst von den enthusiastischen 
Verehrern des kalten Wassers, respective des Chinin nicht mit Erfolg angegriffen 
werden können, da die Erfahrungen aller Practiker in alter wie in moderner Zeit die 
Wirkungslosigkeit der beiden Mittel in den Fällen, wo das Fieber als ein Symptom 
von Erkrankungen des Centralnervensystems auftritt, nur allzu sicher dargethan 
haben. So sehen wir uns ausser Stande durch kaltes Wasser oder durch Chinin 
etwas Wesentliches in der Meningitis simplex auszurichten, ebensowenig bei der 
tuberculoesen Form, wo die barbarischen Sturzbäder den Anverwandten nur das 
Vertrauen zum Arzte und seiner Kunst rauben. Nicht minder trotzt die Cerebrospinal- 
Meningitis der Behandlung mit Chinin oder mittelst des kalten Wasser, und die 
übrigen Krankheiten des Gehirns und Rückenmarks verhalten sich ganz ebenso. 
Zur Bekräftigung meiner Behauptung füge ich folgende Krankengeschichte über einen 
Fall von Meningitis cerebro-spinalis bei, welche Herr Professor Jürgensen so freundlich 
war mir zur Benutzung zu überlassen. Nach einem Bade von 9°R. und 25' Dauer 
um 11 Uhr Morgens stieg die Temperatur der betreffenden Patientin wieder so schnell, 
dass schon um 2 Uhr Nachmittags 41° C. erreicht waren Das Bad wurde nun 
wiederholt, doch musste es um 5 Uhr nochmals erneuert werden, da bis dahin die 
Temperatur auf 41,2 0 C gestiegen war. Zu gleicher Zeit erhielt Patientin 1,8 Grins. 
Chinin, trotzdem war der Stand des Thermometers Abends 10 Uhr von Neuem 
41,2° C. Da die folgenden Bäder ebenso wirkungslos blieben, so wurde urn 1 Uhr 
Morgens unter ärztlicher Aufsicht ein Bad von 9 0 R. 45' lang gegeben. Während 
unmittelbar nach den vorhergehenden Bädern nur ein Minimum von 38,6 0 C erreicht 
worden, war die Temperatur jetzt bis 36,0° C herabgedrückt. Doch diese Herab 
setzung der Körperwärme war nicht von Dauer, schon um 10 Uhr Morgens musste 
wieder in Wasser von 8 0 R 25' lang gebadet werden, da die Temperatur von Neuem 
39,4® C betrug. Um 12 Uhr Mittags hatte sie trotz des Badens 41,6 ° C erreicht. 
Die Kranke blieb noch 3 Tage am Leben, die Temperatur war bis zum Schluss 
enorm hoch. Aus dieser Beobachtung kann man mit Sicherheit schliessen, dass sehr
	        

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