Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

Grenze annehmen zu können, deren Ueberschreitung mit dem Fortbestehen des Lebens 
nicht mehr verträglich ist. Zwar sind beim Menschen noch beträchtlich höhere Tem 
peraturen beobachtet, doch überstand keine der bezüglichen Personen diesen Excess 
der Temperatursteigerung. Wunderlich, der sich besonders mit der prognostischen 
Bedeutung solcher die Norm ansehnlich überschreitender Temperaturen bei Fiebernden 
beschäftigt hat, giebt als das Resultat sehr zahlreicher Untersuchungen folgende 
Werthe an, die ich um so mehr anführen will, als sie, so interessant sie zweifellos 
sind, doch nicht die allgemeine Gültigkeit in prognostischer Beziehung haben, welche 
der genannte Forscher unbedingt für sie beansprucht. Nach Wunderlich nämlich sagt 
eine Wärmesteigerung auf 42,5 0 C. mit Bestimmtheit den tödtlichen Ausgang vorher, 
und Temperaturen über 40,5 0 C. geben eine schlechte Prognose. Nur einen Fall 
führt derselbe Gelehrte an, wo bei einer Temperatur von 42,1 0 C. das Leben noch 
erhalten blieb, dagegen fand Fiedler, (S. den Aufsatz: „Die Maxima der Temperatur 
steigerung und das Verhalten der Körperwärme bei Typhus abdominalos“ im deut 
schen Archiv für klinische Medizin Bd. 1 S. 533 ff.) hierin mit Thomas und Uhle 
übereinstimmend die Maximalgrenze der Abendtemperatur in zwei Typhusfällen, welche 
mit Genesung endeten, bei 41,75 0 C. In allen übrigen, in welchen diese Temperatur 
erreicht oder gar überschritten wurde, trat stets excitus letatis ein. Bis zu einer 
Höhe der Eigenwärme von 41,12° C. war die Prognose sehr ungünstig, in den mit 
Genesung abschliesenden Fällen war das Maximum der Eigenwärme 40,37- 40,41 0 C. 
Die höchste Temperatursteigerung, welche Fiedler überhaupt während des Typhus 
beobachtet hat, betrug 43,37 0 C. Bei einer Temperatur von 41,6 und 41,5 0 C. 
sind nach Wunderlich nur sehr selten Genesungen beobachtet, bei 41,4° C. ist der 
Tod noch doppelt so häufig wie Genesung, bei 41,25 dagegen überwiegt schon die 
letztre aber mit meist langer Reconvalescenz. Als Bestätigung der Erfahrung, dass 
bei allen fieberhaften Krankheiten die Gefahr ceteris paribus mit der Steigerung der 
Körpertemperatur wächst, führe ich weiter die Beobachtungen folgender Forscher an. 
(S. deutsches Archiv für klinische Medicin Bd. I S. 321. 322.) Wunderlich fand unter 
45 Fällen von Typhus exanthematicus nur 5, bei denen die Eigenwärme bis auf'42°C 
oder darüber sties, und diese Fälle endeten sämmtlich mit dem Tode. Boerin«- er- 
wähnt 2 Kinder, welche an Masern nur in Folge der hohen Körpertemperatur para 
lytisch starben. Liebermeister führt endlich einen Fall von Scarlatina bei einem 
22jährigen Mädchen an, wo der Tod eintrat, nachdem eine halbe Stunde vorher die 
Temperatur auf 43,7° C. gestiegen war. Diese Citate, welche übrigens insofern nicht 
absolut richtige Werthe angeben, als die Messungen nicht in recto gemacht wurden, 
daher 0,6° C. zu den einzelnen Zahlenangaben hinzu zu rechnen ist, werden gewiss 
genügen, die Gefahren hoher Temperaturen in das rechte, Licht zu zetzen. 
Ich führe schlieslich zur Unterstützung meiner These die schon oben erwähn 
ten Untersuchungen von Jürgensen und Max Schultze über die Einwirkungen erhöhter 
2
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.