Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

Fieber hervorgerufen werden können, um so schädlicher einwirken werden, wenn sie 
nicht durch fieberfreie Zeiträume unterbrochen, respective gemässigt werden. Beispiels 
weise brauche ich nur den günstigen Verlauf der Intermittenten anzuführen, wo 
Perioden, in denen die Temperatur höher steigt als in den meisten andern fieber 
haften Krankheiten, und welche daher eine höchst ungünstige Prognose geben 
müssten, dadurch fast unschädlich gemacht werden, dass nach den stürmischen Fieber 
anfällen eine längere Zeit bestehende Apyrexie eintritt. Zum Ueberfluss hat man in 
neuester Zeit die gefährliche Wirkung continuirlicher Fieber auch durch die grob 
mechanische Annahme erklären wollen, dass wie bei einer anhaltenden Erwärmung 
von Metallen eine lineare Ausdehnung durch Entfernung der einzelnen Moleküle von 
einander hervorgerufen werde, welche, wenn sie bedeutend genug ist, die Rückkehr 
zum Status ante unmöglich macht, so auch eine Trennung der einzelnen Moleküle 
respective Zellen, aus welchen die Gewebe des menschlichen Körpers zusammengesetzt 
sind, zu Stande käme. So hübsch der Vergleich immerhin ist, so kann ich mich 
dieser Auffassung, wenigstens als einer beweisenden, doch nicht anschliessen, da ich 
nicht glaube, dass die einfachen physikalischen Gesetze, wie sie bei der anorganischen 
Materie, dem Metall, sich vollziehen, auch für einen so complicirten Organismus wie 
den menschlichen, sich einfach übertragen lassen. Auch ist diese Ansicht zu sehr 
mit jenen Anschauungen mancher moderner Physiologen verwandt, nach denen der 
menschliche Organismus als weiter nichts, als eine schön construirte Maschine zu 
betrachten ist, eine Meinung, welche mich durchaus nicht zu begeistern vermag. 
Thesis III, 
Die absolute Höhe einer Einzeltemperatur kann an und für sich für das 
Leben verderblich werden. 
Die Richtigkeit dieses Satzes wird mir nicht schwer fallen den Lesern ein 
leuchtend zu machen, wenn ich vor Allem an die Thatsache erinnere, dass beim so 
genannten Hitzschlag bis dahin völlig gesunde Personen in kurzer Zeit getödtet 
werden, ohne dass die Section irgend bedeutende Organveränderungen ergäbe; um 
so mehr sind also solche Fälle geeignet die Schädlichkeit der gesteigerten Körper 
wärme glänzend zu constatiren, zumal es auch Obernier gelang durch das Experiment 
einen Hund, welchen er keiner andern Schädlichkeit aussetzte, nur mittelst erhitzter 
Luft zu tödten. Man hat bei den betreffenden Individuen ganz excessiv hohe Tem 
peraturen gefunden, so stieg in dem unten ausführlicher angegebenen Fall die Queck 
silbersäule bis 43,7 0 C. Bei kranken Menschen pflegt allerdings meist die Temperatur 
nicht über 41° C. zu steigen, tritt jedoch eine fernere Erhöhung derselben ein, so 
ist schon ein Zuwachs von wenigen Zehnteln schwer in’s Gewicht fallend. Eine Tem 
peratur von 42 0 C., wenn dieselbe einigen Bestand hat, glaube ich mit Recht als die
	        
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