Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

gespannt und ein bewegender Körper wirkt in vertikaler Richtung auf sie ein, so 
erhalten wir Transversalschwingurigen. Sind diese Schwingungen unregelmässig, so 
erzeugen sie ein Geräusch, folgen sie sich dagegen in gleichmässigen Intervallen, so 
wird die Empfindung, welche dadurch in unserm Ohr verursacht wird , als Ton be 
zeichnet. Je nachdem nun die Saite als Ganzes schwingt, oder durch sogenannte 
Knotenpunkte in eine Anzahl gleicher Theile zerlegt wird , deren zwei benachbarte 
sich immer in entgegengesetzten Schwingungsphasen befinden, werden wir den 
Grundton der Saite rein oder vermischt mit einer grösseren oder geringeren Zahl 
von Obertönen erhalten. Für die Höhe des Tones, welcher in einer Saite entsteht, 
sind von Bedeutung: ihre Länge , der Grad ihrer Spannung, ihre Dicke und ihre 
Dichtigkeit, so zwar 1 ), dass bei zwei Saiten die Tonhöhen (oder was damit gleich 
bedeutend ist, die Schwingungszahlen) sich direkt verhalten, wie die Quadratwurzeln 
aus den spannenden Kräften und umgekehrt, wie ihre Längen, ihre Durchmesser und 
die Quadratwurzeln ihrer spezifischen Gewichte. Unter Membranen verstehen wir 
elastische feste Körper, bei denen Länge und Breite die Dicke weit überwiegen; es 
sind also gewissermassen in die Fläche ausgedehnte Saiten, daher die obengenannten 
Bedingungen auch auf sie Bezug haben. Wir können bei Membranen ebenfalls 
longitudinale und transversale Wellen hervorrufen , und wie bei den Saiten Knoten 
punkte entstehen, so erhalten wir hier Knotenlinien. 
Nach diesen Vorbemerkungen gehen wir zu unserem Thema im Speciellen, 
zu den Sehnenfäden am Herzen über. Unter Sehnenfäden , Chordae tendineae, ver 
steht man strangartige Gebilde, welche grösstentheils aus Papillarmuskeln , d. h. frei 
aus der Herzwand in die Kammer hineinragenden pyramidenartigen Muskelbündeln 
ihren Ursprung nehmen und sich an der dem Ventrikel zugekehrten Seite der Valvüla 
mitralis und Valvula tricuspidalis ansetzen. Sie bestehen aus einem welligen, sehr 
festen Bindegewebe , welches in Streifen , die der Längsachse parallel verlaufen, an 
geordnet ist. Ausserdem sind demselben eine grosse Zahl feiner elastischer Fasern 
beigemischt, und die stärkeren Chorden sind obenein mit concentrischen, kreisförmigen 
Bindegewebslagen umgeben. Die äusserste Umhüllung wird von einer Fortsetzung 
des Endocardium gebildet. Je mehr nun die Chorden sich von der Spitze des 
Papillarmuskels entfernen, desto mehr nimmt auch ihr Querdurchmesser ab, kurz vor 
der Insertion an die Klappe werden sie platter und breiter, und nach ihrem Eintritt 
in dieselbe gehen die Fasern der einzelnen Fäden bogenförmige Anastomosen mit 
einander ein. Nach der Art ihrer Insertion unterscheidet Henle 2 ) drei Ordnungen 
und nennt die aus den Papillarmuskeln direkt entspringenden starken Fäden, welche 
sich etwa in der Mitte der Klappe inseriren: Chorden zweiter Ordnung) die Fäden, 
*) Cf. Koppe, Handbuch der Physik p. 276. 
2 ) Henle, Anatomie Bd. 3. Abth. 1, p. 22 u. f. Braunschweig 1868.
	        

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