Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

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Princip des gesammten Staatswesens, denn seine Sache war die Erhaltung des allge 
meinen, allumfassenden Friedens, die Sicherung des bestehenden Zustandes durch 
den Schutz des Rechtes, der Ordnung, wie sie im Staate sein soll. Daher ist er auch 
der geborene Schützer der sonst Schutzlosen, der Kirchen und deren Diener, der 
Bedürftigen und Armen, der Unfreien, der Wittwen und Waisen. Er nahm sich 
durch strenge Machtbefehle der Hörigen an, wenn ihre Rechte geschmälert, oder 
wenn sie gar, wie einst durch den Bischof von Verden, gleich dem Vieh, so 
schrieb der König, — verkauft wurden, er hatte es zu hindern, wenn Freie durch 
Erzwingung von Abgaben zu Unfreien hinabgedrückt werden sollten, er liess Burgen 
der Fürsten brechen, wenn das Volk den Frieden durch solche bedroht sah, und ganze 
Höfe liess er niederbrennen, wenn ihre Anlage als ein Bruch des Friedens erschien, 
oder eine Rechtsunsicherheit zur Folge haben konnte. Den Bann, das Recht bei 
schwerer Strafe zu gebieten und zu verbieten, dies Mittel seiner gesammten Gewalt 
hatte der König, weil er der Urheber und Schirmer des Friedens war. Friedensliebe, 
unablässige Sorge für die Stärkung, Erhaltung und Ausbreitung des Friedens sind daher 
denn auch das höchste dem Könige gespendete Lob, die Anerkennung, dass er ein 
tüchtiges Regiment führt. Und so sehr galt andererseits auch wieder die Erhaltung 
des Friedens als das Recht des Königs, dass einst ein Bischof an der fernen westli 
chen Grenze des Reiches der Aufforderung französischer Amtsgenossen einer Vereini 
gung zum'Schutze des Landfriedens beizutreten, die Antwort geben konnte: er wolle 
sich wohl hüten, einen beleidigenden Eingriff in das Recht des Königs zu begehen, denn 
dessen Sache sei es, den Frieden aufrecht zu erhalten. 
Des Friedens wegen war dem Könige sodann auch alle Macht verliehen; denn 
seinetwegen hutte er seine höchste, die richterliche Gewalt, die schon in ältester 
Vorzeit so sehr als das Wesen des Königthums erschien, dass einige germanische 
Völker ihre Könige geradezu mit einem richterlichen Titel bezeichnet haben werden. 
Und auch jetzt war den Deutschen der König noch immer, — wie freilich allen Na 
tionen, deren Staat von germanischer Anschauung erwachsen, — die Linie, die Richt 
schnur, die Quelle, der Ursprung der Gerechtigkeit, oder wie sonst ein bildlicher Aus- 
druckj lauten mochte, der hier nicht einer erkünstelter Theorie oder veralteten Zu 
ständen*), sondern demselben frischen Leben entnommen war, das auch die Könige aus 
sprechen liess: desshalb ragen wir in unserer Würde weit über alle Sterblichen hervor, 
weil wir Recht und Gerechtigkeit allen, die da Unrecht erleiden, zu verschaffen haben. 
Der König ist der gemeine Richter überall. Ueber der Fürsten und aller 
andern Leib, Leben und Gesundheit hat er zu urtheilen; er entscheidet in letzter In 
stanz über Mein und Dein, über Lehn und Eigen, über jedes gescholtene Urtheil; 
*) So später in der staufischen Zeit.
	        

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