Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

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selbst der Zutritt zur Pfalz ihnen durch die Menge der vornehmen Männer verwehrt 
gewesen sei. Dahingegen wurden die Rechtssachen, selbst die unstreitigen, der Für 
sten vorzugsweise an diesen gebotenen Hoftagen abgemacht, und hier auch sass 
der König, umgeben von ihren Standesgenossen, doch auch noch anderen, über Fürsten zu 
Gericht, wenn sie ihr Amt schlecht geführt, oder ihren Herrn persönlich, oder in seinen 
Schutzbefohlenen beleidigt hatten, oder oft auch, wie die Zeitgenossen wenigstens glaubten, 
wenn sie dem Könige verhasst waren, oder der, aus irgend einem Grunde, ihr 
Lehn einem andern geben wollte. Ein Fürst, der hier angeklagt war, konnte so 
ziemlich, weil der König schon damit einverstanden sein musste, seiner Verurtheilung 
gewiss sein. Zuweilen wagten es freilich trotzdem die Anwesenden, für seine Un 
schuld zu sprechen, oder Milde zu empfehlen: allein es konnte ihnen dann gehen, 
wie dem Bischof von Freising, der in einem Processe gegen den Herzog von Kärnthen, 
seines Widerspruchs wegen, einst von dem Könige mit bitteren Schmähungen aus 
dem Zimmer gewiesen wurde. Der Wille des Königs war somit bei der Schuldfrage, 
und dann auch bei der Bestimmung des Strafmasses entscheidend. Bei leichteren 
Vergehen wurde auf Geldstrafen erkannt, in allen schweren ist aber in der Regel 
Lehn und Eigen, und selbst das Leben abgesprochen. Die Beleidigung der königli 
chen Majestät schien solches vielleicht zu erfordern und ihr stand es dann auch wol 
an, Milde obwalten zu lassen, um die Todesstrafe in Gefängniss umzüwandeln. Die 
Verurtheilten wurden darauf gemeiniglich nach dem Giebichenstein bei Halle abge 
führt, oder irgend einem Bischof in Gewahrsam übergeben. 
Die Eieenthumsklagen der Fürsten werden wol nur, wenn sie wiederholt, wo- 
durch einzelne zuweilen einen günstigeren Bescheid zu erlangen suchten, an den Hof 
gebracht wurden, bewegtere Auftritte veranlasst haben.. Der König legte alsdann zu 
weilen, unter lebhafter Androhung seiner Ungnade, endlich Stillschweigen auf. 
Aeusserlich unterschieden sich von diesen Gerichtsverhandlungen, alle anderen 
Geschäfte, die an den grossen Hoftagen abgemacht wurden, nur sehr wenig. Nament 
lich wurde auch für die Gesetzgebung, die übrigens, bei dem langsamen Wechsel der 
Verhältnisse, von nur geringer Bedeutung war, die Form der gerichtlichen Verhand 
lung und Beschliessung gewählt. In den Gesetzesurkunden, meistens nur Aufzeich 
nungen bisher schon gültigen Rechtes, ist die Zustimmung der anwesenden Betheilig 
ten erwähnt: weil es eben tief im germanischen Rechtsbewusstsein wurzelt, dass zur 
rechtlichen Verbindlichkeit, die eigne Zustimmung gehört. Bei der Erwägung der 
allgemeinen und insbesondere der eigentlich politischen Fragen trat sonst immer, wie 
in anderen Fällen, ganz vorzugsweise der Wille des Königs in den V ordergrund. So, 
wenn es sich um das Verhalten in kirchlichen Dingen, oder dem Papste gegenüber, 
oder um die Anlage von Befestigungen und namentlich um einen Krieg handelte. 
Auch da wurden die Fürsten allerdings um ihre Meinung gefragt: allein, wenn dem Könige 
an dem beabsichtigten Feldzug gelegen war, so war es bereits gefährlich gegen denselben
	        
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