Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

berathsehlagt, durch Brief und Siegel oder sonstige Botschaft sechs Wochen zuvor 
allen zu entbieten, welche anwesend sein sollten. Versäumniss dieses Hof-, wie alles 
Reichsdienstes wird schon in dieser Zeit die schwere Busse von 100 Pfund Silber 
nach sich gezogen haben. An den hohen kirchlichen Festtagen des Jahres pflegten 
z iernlich regelmässig solch’ feierliche Zusammenkünfte gehalten zu werden. 
Alsdann zeigte sich der Herrscher in al seinem Glanze. Im wallenden Kö 
nigsmantel, die Krone auf dem Haupte, unter dem Vortritt eines der ersten weltlichen 
Fürsten, der das Schwert trug, — am liebsten des Herzogs von Polen, — gefolgt, 
von der glänzenden Schaar der anwesenden Fürsten geistlichen und weltlichen Stan 
des, zog er zur Kirche, wo ein Theil der Geistlichkeit ihn ehrfurchtsvoll empfing. 
Zurückgekehrt wurde feierlichst Tafel gehalten und es mussten da, um des Festes 
Glanz zu erhöhen, die angesehensten Herzoge oder Grafen die gewöhnlichen Tisch 
dienste verrichten. Einige Tage vergingen darauf in brausenden Festlichkeiten, bis 
endlich der Ernst der Geschäfte näher trat, und der König die Fürsten mit denen, 
die er sonst dazu bestimmt hatte, zum Rathe sich versammeln Hess. Geziemend 
warteten die Geladenen, nicht selten geraume Zeit, im Vorzimmer des Königs, bis 
ihnen vergönnt wurde vor der Majestät selbst zu erscheinen. Nun wurden die An 
gelegenheiten des Reiches, über die ein Urtheil einzuholen war, in der Form von 
Fragen zur Erörterung gestellt, (die nicht in Gegenwart des Königs stattzufinden 
brauchte,) wonach einer der Fürsten, einerlei welchen Standes, als erwählter Obmann 
der andern, dem Könige zu erwidern hatte. Die übrigen erklärten dabei mehr oder 
weniger laut ihre Zustimmung, worauf der König entweder zusagte, den so ertlieilten 
Rath zu befolgen, oder seine Entscheidung einer nochmaligen, späteren Berathung 
vorbehielt, oder auch wol mit allen Zeichen des Zornes und der Ungnade aufbrach, 
um das Gegentheil von dem zu thun, was ihm gerathen war. Die Fürsten haben 
sich alsdann beugen müssen: sonst hätten sie leicht schweren Nachtheil erleiden 
können. 
Die Fragen, welche diesen grossen Hof- und Reichsversammlungcn vorgelegt 
wurden, konnten alle Sachen betreffen, die der König überhaupt zu erledigen hatte. 
Doch trat die Rechtspflege, wie bei allen Herrscherpflichten, so auch hier in den 
Vordergrund. Alle streitigen Rechtsfälle konnten hier vor das Gericht des Königs 
gebracht werden, und es scheint gar so, dass dieserhalb, gleichzeitig mit der Ansage, 
und wie sie Zeit und Ort verkündend, eine Aufforderung zum Erscheinen auf dein 
Hoftage durch das ganze Reich, oder eine Reihe von Bisthümer und Grafschaften 
gesandt wurde. Es bezog sich dieselbe aber wahrscheinlich mehr auf die Pro- 
cesse der Kirchen und der Fürsten. Den Niederen ist, wenn sie nicht zufällig, etwa 
bei dem Kirchgänge, die Aufmerksamkeit des Königs auf sieh zu ziehen wussten, bei 
solch’ feierlichen Gerichtssitzungen wol nur selten gelungen, bis zu dem höchsten 
Richter vorzudringen. Es wird zuweilen auch ausdrücklich darüber geklagt, dass
	        
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