Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1870 (Band XVII.)

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nach dem alten Rechtsbuch*), nur gesetzt, da der König nicht in allen Landen zu 
aller Zeit sein kann, um alles Ungericht zu richten, und wie sie somit als des Könio-s 
Stellvertreter erscheinen, so empfangen sie auch allein von ihm oder in seinem Auf 
trag ihre Gewalt. — Nach freier Willkür, nicht durch Erbansprüche gebunden, kann 
der König zunächst seine weltlichen Fürsten, den mächtigen Herzog von Baiern und 
den kleinen Grafen in Sachsen, auswählen. Nur in einigen Theilen des Reiches ha 
ben schon im 10. Jahrhundert eigentümliche Verhältnisse wenigen Geschlechtern 
ein gleichsam erbliches Recht, wie Quellen sagen, auf hohe Reichsämter ver 
schafft. Entzogen waren aber auch diese Gegenden mit Nichten der königlichen Ge 
walt, denn die war im ganzen Reiche allein schon durch die Stütze, die sie an den 
geistlichen Fürsten fand, in der alle umfassenden Herrschaft festbegründet. Dem 
Könige stand die unbeschränkte Verfügung über die Erzbistümer und Bistümer, 
sowie zahlreiche Abteien des Reiches zu, die er, allen Privilegien zum Trotz, ganz 
nach freiem Ermessen, oft nicht einmal mit einer sonst gebräuchlichen Scheinbeachtung 
der von dem Recht der Kirche geforderten Wahl durch Klerus und Volk, an die von 
ihm ernannten Geistlichen übertrug. 
Die Fürsen erwarben auch keineswegs, nachdem sie eingesetzt waren, dem 
Könige gegenüber eine selbstständige Stellung. Ihn blieben sie doch, mochten sie 
geistlich oder weltlich sein, verantwortlich, und wenn jene auch, geschützt durch ihr 
kirchliches Amt, nicht, wie oft genug den weltlichen geschah, durch einfachen Spruch 
abgesetzt werden konnten, so mussten doch auch sie, um die Worte eines alten Bi 
schofs zu gebrauchen, sich uem Urtheil des Königs fügen, wenn er sic einer nach 
lässigen oder untreuen Führung des ihnen anvertrauten Amtes wegen vor Gericht 
zog. Sie alle waren, wie es heisst, der Disciplin der Pfalz unterworfen; dem höch 
sten Gerichte, der Regierung, dem Hofe des Königs 
Gar massenhaft waren hier die Geschäfte, die täglich ihrer Erledigung harr 
ten. Alle Sachen, die an den Hof gebracht wurden, mussten dem Könige selbst zur 
Entscheidung vorgelegt werden, wodurch dessen vertraute Käthe, die immer in seiner 
Umgebung waren, einen grossen Einfluss erlangten, der oft Gegenstand heftiger Kla 
gen von Seiten der Fürsten war. Unter ihnen tritt wiederum die Geistlichkeit, 
ihrer Bedeutung für das gesammte geistige Leben entsprechend, zahlreich vertreten 
hervor. Es waren die königlichen Capeliane, denen die gottesdienstlichen Handlun 
gen am Hofe, die Schreiberei, gewiss oft auch der Vortrag bei dem Fürsten selbst 
oblag, und die immer bereit sein mussten, ausgesandt zu werden, um auf königlichen 
Gütern, in Bisthümern oder Abteien, oder wo sonst der Dienst des Reiches es er- 
*) Dass dieser, wie so viele andere Sätze des Sachsenspiegels für seine Zoit nur noch 
theoretische Bedeutung hatten, sich vielmehr auf das Staatsichen dor vorangegangenon Zoit bozie- 
hon, bedarf, gegenüber den Nachrichten über die thatsächlichen Zustände, keines Bowoiscs.
	        
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