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Es handelte sich hier natürlich in erster Linie darum, festzustellen, ob vielleicht
bei dieser Reaction das Sul f'ob enzidbic h 1 oruer Gericke’s (C12 H10 S 0 2 , Cb)
entstanden sei?
Ein einfaches Experiment überzeugte mich aber auch hier davon, dass crade
das G eg ent heil der Behauptungen Gericke’s .eingetreten sei; dass das Sulfobenzid,
anstatt eine additioneile Chlorverbindung im Sonnenlichte einzugehen, vielmehr eine
tiefeingreifende Zersetzung erfahren habe.
Als ich im Verlaufe des Versuchs dem vorgelegten Wasser eine geringe Menge
Chlorbaryumlösung hinzuiügte, entstand sofort eine deutlich wahrnehmbare Trübung,
herrührend von der Bildung eines Niederschlages von schwefelsaurem Baryurn. (Ba S O4.)
Es musste also jedenfalls aus dem Sulfobenzid Ce H s . S 0 2 . Ce H 5 die
schwefelhaltige Atomgruppe S 0 2 , welche die beiden Benzolreste zusammenhält, aus
getreten sein; jedenfalls, wie unter den vorliegenden Versuchsbedingungen nicht anders
anzunehmen ist, als Sulfurylchlorid S 0 2 Cl 2 , welches sich dann in bekannter
Weise mit dem Wasser wechselseitig zersetzt hat. —
Ich gehe nunmehr zur Feststellung der bei der Einwirkung von Chlor im
Sonnenlichte entstandenen Producte über. — Es sind deren zwei, die ich hier der
Uebersichtlichkeir wegen mit A und B bezeichnen will: A bedeute den flüssigen Re.
torteninhalt, B die im Verlaufe der Reaction entstandenen Krystalle.
A. Zu der in der Retorte befindlichen, schwach gelb gefärbten Flüssigkeit
setzte ich in verschiedenen Pausen und in jedesmal nur geringer Menge weingeistmes
Kalium. Es trat hierbei unter lebhafter Erwärmung stürmische Reaction ein. — Der
Zusatz von weingeistigem Alkali wurde so lange fortgesetzt, bis die ganze Masse auch
nach längerem (jinschütteln und Erwärmen die anfänglich wieder verschwindende
alkalische Reaction anhaltend beibehielt. *
Wurde nun das so gebildete, jetzt dickflüssig gewordene Product in einen
grossen Ueberschuss von kaltem Wasser geschüttet, so schied sich sofort auf dem
Boden des Gefässes ein dichtkörniger Krystallbrei aus, während durch Zusatz von
weingeistigem Kali gebildetes Chlorkalium in Lösung ging.
Die entstandenen Ivrystalle wurden zunächst auf dem Filter gesammelt, durch
wiederholtes Waschen mit Wasser von ihnen etwa noch anhaftenden Verunreinigungen
befreit und zuerst an der Luft, dann über Schwefelsäure vollständig getrocknet.
Sie lösten sich in absolutem Weingeist fast gar nicht, mit der grössten Leich
tigkeit hingegen in einem Gemisch von Weingeist und Benzol Ihr Schmelzpunkt
wurde. mehrerernals übereinstimmend bei 198° gefunden.
0.324 Gr. der Substanz lieferten mit chromsaurem Blei verbrannt: 0 3235 Gr.
Kohlensäure, entsprechend 0.08822728 Gr. C — 27.2% C
und: 00110 Gr. H 2 0 = 0.001222 Gr. H — 0.37% H

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