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würde im Gegensatz zu der ersteren, für eine unsymmetrische Constitution des
Sulfobenzids sprechen.
Um nun aus den Zersetzungen dieses Körpers durch Einwirkung von Chlor
einen Beweis für die eine oder die andere Möglichkeit seiner Structur zu liefern,
musste es sich vor Allem darum handeln, die Einwirkung von Chlorgas unter mög
lichst vielen, verschiedenen Versuchsbedingungen zu beobachten, eine Aufgabe,
die mir um so interessanter erschien, als bis jetzt über diesen Gegenstand die wider
sprechendsten Angaben vorliegen.
Ein kurzer Ueberblick der Geschichte des Sulfobenzids wird das eben Gesagte
aufs Vollständigste rechtfertigen.
Das Sulfobenzid, von der empirischen Zusammensetzung C12 Hio S O2, wurde
zuerst von Mitscherlich*) 1834 dargestellt, durch vorsichtiges Vermischen von Nord
häuser Schwefelsäure mit kalt gehaltenem, reinem Benzol.
Die bequemste und ergiebigste Methode seiner Darstellung ist die, die Dämpfe
von Schwefelsäure-Anhydrid direct in Benzol einzuleiten. — Es entstehen hierbei zwei
Producte: Sulfobenzid und Sulfobenzolsäure.
3 Ce He + 2 S 0 3 = Ce H 5 . S 0 2 . Ce H s
Sulfobenzid
+ Ce Hö . S O2.0 H + H 2 0
Sulfobenzolsäure.
Beide werden von einander getrennt durch Eingiessen des bei der Reaction entstan
denen dick-öligen, tief-rothbraunen Productes in einen grossen Ueberschuss von kaltem
Wasser: Sulfobenzolsäure geht in Lösung, während sich das Sulfobenzid auf dem
Boden des Gefässes als dichter, weisser Krystallbrei ausscheidet.
Es löst sich auch in heissem Wasser fast gar nicht, nur wenig in kaltem
Weingeist, in reichlicher Menge aber in siedendem Alkohol, in Aether und Benzol
Aus siedendem Wasser krystallisirt es in feinen, verfilzten Nadeln, aus Benzol in
grossen, wohlausgebildeten Prismen, aus Alkohol in characteristischen, rhombischen
Tafeln.
Der Schmelzpunkt liegt bei 128—129°.
Umfassendere und eingehendere Untersuchungen über Sulfobenzid wurden erst
1856 unternommen durch Gericke. (Beiträge zur Kenntnis» des Sulfobenzids. Inaugural
dissertation. Göttingen 1856.) Die Beobachtungen dieses Chemikers, die sich auf die
*) Ann. 12. 308.

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