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Um die Identität dieses Körpers mit dem Aethylenchlorhydrat über allen
Zweifel zu erheben, behandelte er ihn mit Kalihydrat und erhielt so ausser Chlor
kalium als einziges Produkt das Aethylenoxyd.
C2 H4 Cl I K)
2 4 H I ^ Hl ^ (natürlich in concentrirter Lösung) giebt C 2 H4 0 + K CI + H 2 0.
Mit einer wässrigen Alkalilösung jedoch geht dieses Aethylenchlorhydrat in den
Aethylenalkohol oder das Aethylenglycol über.
Da nun das Toluylen ein um 2 Affinitätseinheiten ungesättigter Kohlenwasserstoff
ist, so versuchte ich auf diesem Wege zur Darstellung des zweiatomigen Alkohol zu
gelangen, die unterchlorige Säure nämlich additioneil wirken zu lassen. Zur Darstellung der
unterchlorigen Säure (resp. einer wässrigen Lösung von unterchloriger Säure) wurde
ebenfalls die Carius’sche Methode angewandt. Man füllt durch Einströmenlassen mit
eingeschliffenen Stöpseln versehene, nicht über 1 Liter fassende Flaschen mit Chlor
gas bis zum Ueberfliessen, setzt dann an einem dunkeln Orte auf je 1 Liter Chlor
gas 15 Grm. auf 300° C erhitzt gewesenes, mit Kalilauge frisch gefälltes, Quecksilber
oxyd in wenig Wasser vertheilt hinzu und schüttelt. Nach 1 / i Stunde etwa ist das
Oxyd in braunes Quecksilberoxychlorid verwandelt, und in der Lösung sind nur sehr
geringe Mengen Quecksilberchlorid enthalten. Hierbei ist sehr zu beachten, dass dem
Chlorgas nicht zu viel Luft beigemischt ist, in welchem Falle die Bildung des Oxy-
chlorids sehr langsam und unvollständig stattfindet. Wendet man jedoch grössere
Gefässe, also grössere Mengen von Chlorgas auf einmal an, oder war das Quecksilber
oxyd nicht vorher auf 300° C erhitzt gewesen, so misslingt der Versuch durch Bildung
grösserer Mengen vop chlorsaurem Quecksilber, welches ja auch noch durch seine
Einwirkung auf die organische Substanz nachtheilig werden kann.
Auch ist es nicht rathsam das Quecksilberoxyd trocken zum Chlorgas hinzu
zusetzen, da sonst Feuerscheinung eintritt, und die Gefässe in Folge der bedeutenden
Temperaturerhöhung zerschmettert werden.
Zu einer solchen Lösung von unterchloriger Säure (von der oben erwähnten
Concentration) sammt dem von der Darstellung herrührenden Quecksilberoxychlorid
und dem überschüssigen Quecksilberoxyd, setzt man Toluylen zu und lässt die gut
verschlossene Flasche unter öfterem Schütteln im Dunkeln an einem kühlen Orte
stehen. Schon nach einigen Stunden war der Geruch nach unterchloriger Säure ver
schwunden 5 nach mehr eren Tagen jedoch war ein dem Bittermandelöl ähnlich riechen
der Geruch bemerkbar. Es wurde jiltrirt, der Rückstand mehrmals mit Aether aus
gezogen und der überschüssige Aether abdestillirt5 es blieb ein bald krystallisirendes
Oel zurück. Die Krystalle wurden gesammelt und als unzersetzt gebliebenes Toluylen,
durch Schmelzpunkt sowohl, als auch durch Ueberführung in die Bromverbindung er-

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