Spuren der überstandenen Rhachitis in dem kaum merklich vörspringenden Promon
torium zu erkennen. Die Conjugate vera betrug ungefähr 10—10y 2 C. M. Leider
muss ich bemerken, dass diese bei der ersten Untersuchung gewonnenen Maasse keinen
unbedingten Anspruch auf Genauigkeit machen dürfen; jeder Practiker weiss, welche
Schwierigkeiten sich genauen örtlichen Untersuchungen in der Privatpfaxis entgegen
stellen und wird sich daher mit annähernd richtigen Maassen in vielen Fällen begnügen.
Nach der Geburt dieses 3ten Kindes gesellten sich den Schmerzen Verdauungsstörun
gen mit Erbrechen, Bronchialcatarrhe und psychische Depression hinzu, sowie zeit
weiliges Auftreten von Albumen im Harn, und als reichlich 2 Jahre nach der letzten
Entbindung abermals eine Geburt erfolgte, fand der behandelnde Arzt seine langge
hegte Vermuthung, dass er es hier mit Osteomalacie zu thun habe, bestätigt. Aerzt-
liche Hülfe wurde von der Hebamme angeblich wegen Querlage verlangt, allein die
genauere Untersuchung ergab, dass die Frucht sich mit den Füssen zur Geburt stellte,
die Messung der Conjugata vera liess eine merkliche Verkürzung gegen früher, IOV2
C. M., jetzt C. M. 9—9V2, also um reichlich 1 C. M. erkennen. Desungeachtet aber
liess sich die Frucht ohne eigentliche Mühe extrahiren. Nach Ablauf des länger
dauernden Wochenbettes zeigte sich der Zustand derartig verschlimmert, dass die
Frau nur mit Hülfe eines Stockes zu gehen vermochte; ihr Aussehen hatte erheblich
gelitten; sie war am ganzen Körper abgemagert, die Haut hatte eine schmutzig livide
Farbe angenommen und begann stellenweis sich in Falten zu legen und zu schlottern,
dem Gefühl aber erschien sie hart, man könnte sagen pergamentartig.
Mit der bereits 2 Jahre nach dem letzten Schwangerschaftsende wieder ein
getretenen Conception trat starkes Oedem der Unterschenkel auf, die Schmerzen
mehrten sich, ohne auf andere Körpertheile als das Becken überzugehen. Das mürri
sche Wesen nahm zu, und der Eiweissgehalt des Harns steigerte sich; die rnikros-
copische Untersuchung liess auch Faserstoffcylinder aus den Harncanälchen erkennen,
neben gequollenen und getrübten Epithelzellen. Der Schmerzen wegen musste Patientin
viel liegen. Die Entbindung wurde mit Mühe durch die Zange bewerkstelligt; das
Kind lebt. Nach langdauerndem Wochenbett erholte sich die Frau nur sehr unvoll
kommen; wie nach jeder Schwangerschaft war eine Verschlimmerung des Zustandes
zu erkennen. Die Menstruation erfolgte in unregelmässigen Intervallen und setzte
mit Beginn der 6ten Schwangerschaft ganz aus, d. h, 14 Monate nach der Geburt
des letzten Kindes. Schon im 2ten Monat dieser 6ten Schwangerschaft trat starkes
Oedem der Unterschenkel wieder auf, nahm im Laufe der Zeit zu und hatte bis zur
Endkatastrophe die Höhe des 7ten oder 8ten Rippenpaares erreicht.
In gleichem Grade steigerten sich die andern Krankheitssymptome. Die
Schmerzen im Becken und an der Wirbelsäule entlang wurden unerträglich, der Appetit
verlor sich ganz, die Verdauung lag gänzlich darnieder; Schlaflosigkeit, in 1 olge des
nicht zu bekämpfenden Hustens, stellte sich ein, und die Gemüthsverstimmung erreichte

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