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Fritz Stuhr, Dienstknecht aus Rixdorf hei Plön, 27 Jahre alt, aufgenommen den 15. Mai
dieses Jahres. Patient litt als Kind an Skrophulose. Der rechte Arm ist von Gehurt an gelähmt
gewesen, in Folge dessen stark atrophirt. Vor 14 Monaten bemerkte Patient zuerst eine Anschwel
lung im rechten Kniegelenk, die jedoch wenig Schmerzen verursachte; er ging auf die chirurgische
Klinik hieselbst und wurde ihm ein Gypsverband angelegt, der 5 Wochen liegen blieb. Nach
Abnahme des Verbandes war das Gelenk fast gänzlich abgeschwollen, sowie ohne Schmerzen.
Durch einen Zeitraum von 9 Monaten war Patient unbelästigt, bis sich plötzlich wieder vor 3 Mo
naten Schmerzen, sowie Schwellung einstellten. Angewandte Antiphlogistica hatten nicht den
gewünschten Erfolg. Seit 2 Monaten ist Patient bettlägerig und hat seit 1 Monat das Bein eine
flektirte Stellung eingenommen.
Status praesens. Aussehen des Patienten stark anaemisch; rechter Arm gelähmt, stark
atrophisch. Es befindet sich am rechten Arm in der Gegend der Carpal-Knochen an der Extensoren-
Seite eine 5 Centimeter lange und 3 Centimeter breite Geschwulst der Sehnenscheiden. Eine
ähnliche Anschwellung befindet sich am unteren Drittel des linken Arms, und zwar an der Beuge
seite. Die Lymphdrüsen der Inguinalgegend rechts stark, links weniger geschwollen. Die Aus
kultation ergiebt starkes Pfeifen in der rechten Lunge, sowohl oberhalb wie unterhalb der clavicula.
Im Urin kein Eiweiss nachzuweisen. Die rechte Kniegelenk-Kapsel stark aufgetrieben, die Con-
touren verstrichen, die Haut stark oedematös, die Gegend oberhalb der patella prall und elastisch,
unterhalb derselben deutliche Fluktuation. Bewegungen der starken Schmerzen wegen nicht aus
zuführen. Das Bein flektirt im Winkel von 91".
Die Messung ergiebt:
rechts links
Ueber die patella 41 34,5
oberhalb der „ 39 32,7
unterhalb „ „ 44 36.
Man schritt unter so bewandten Umständen zur Amputation und zwar am 26. Mai d. J.
Das Innere 1 des Kniegelenkes ist mir erst jetzt nachdem selbiges gut 3 Monate in Spiritus
gelegen zu Gesichte gekommen. Farbe, Consistenz und feinere Configuration der pathologischen
Producte und Defekte sind verloren gegangen und es ist natürlich nicht mehr möglich die gesetzten
Veränderungen in so eingehender wie wünschenswerter Weise zu behandeln, ohne sich möglicher
Weise empfindlichen Täuschungen auszusetzen. Im Wesentlichen lässt sich noch Folgendes nach-
weisen Der Knorpel Überzug der Gelenkendcn ist raub, erweicht, «stellenweise von der darunter
liegenden Knochen-Fläche abgelöst. An einigen Stellen tritt der Knochen ganz von Knorpel
entblösst zu Tage, bedeckt mit schwammigen jedoch nicht sehr üppigen Granulationen. So weit
bietet das Gelenk das exquisite Bild einer chronischen Arthritis dar, zumal da die speckige Ver-
dickun"- des periartikulären Gewebes eine nicht unbeträchtliche gewesen zu sein scheint. Betrachtet
man aber diejenigen Parthien der Synorial-Membran, welche nicht mit zum Uebcrzuge der Gclcnk-
enden verwandt sind, so bemerkt man überall, jedoch ganz besonders reichlich in der kreisförmigen
Falte, welche die Synovia vom' äusseren Umfange des einen Gelenkcndes abgehend um sich auf
das andere Gelcnkende hinüber zu schlagen, bildet, eine Aussaat von miliaren und submiliaren
Knötchen, welche Herr Professor 0ohnheim zu demonstriren Gelegenheit nahm. Nirgends bemerkte

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