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sämmtlich während des Lebens, je nach Grösse und Ausdehnung, ziemlich erhebliche
Symptome. Meistens waren schon Prodromi, der Hyperämie des Markes entsprechend,
vorhanden: Rückenschmerz, Steifigkeit in den Gliedern, im Nacken, oder wohl auch
»n ganzen Körper; zuweilen Taubheit in den Fingern und Zehen; eine ungewöhnliche
Ermüdung nach verhältnissmässig leichten Anstrengungen. Mit dem Eintritt aber der
eigentlichen Apoplexie traten unter Steigerung dieser Symptome fast immer Paralysen,
Anästhesien, Aufhebung der Reflexbewegungen und andere mehr ein. Von Allem
diesen war in dem unsrigen halle nichts vorhanden, so dass derselbe unmöglich
anders als auf Hydromyelie beruhend anzusehen ist.
Schwieriger zu beantworten ist die Frage nach der Bildung und Bedeutung
dieses Canals; zunächst ist es von Wichtigkeit, zu bestimmen, ob derselbe angeboren
War, oder nicht; es ist dieses in einzelnen Fällen sehr schwer mit einiger Bestimmt
heit zu entscheiden. In der Literatur finden sich sehr verschiedene Ansichten dar
über. Nonat behauptet, auf seine und die von mehreren französischen Autoren
beobachteten Fälle gestützt, dass der bei Erwachsenen im Centrum des Rückenmarks
gefundene Canal in der Regel das Product eines pathologischen Processes sei, und
dass er bald an die Erweichung der Marksubstanz, bald an einen Bluterguss gebunden
sei. Er stützt diese Ansicht einestheils darauf, dass die meisten Patienten in solchen
Verhältnissen gelebt, (überangestrengte Körperbewegung, übermässiger Geschlechts
genuss etc.), die eine chronische Entzündung des Rückenmarks begünstigen; anderer
seits stützt er sich darauf, dass in einigen Fällen Erscheinungen von einer Desorga
nisation des Rückenmarks beobachtet seien, so wie auch, dass am Rückenmark bei
der Section fast ausnahmlos pathalogisch anatomische Veränderungen, mehrweniger
entzündlichen Ursprungs, vorhanden gewesen seien. Dies galt besonders von seinem
eigenen Falle. In Folge dessen betrachtet er die Erweiterung des Rückenmarkcanals
als das Resultat einer chronischen Entzündung. Es Hesse sich nun gegen die geltend
gemachten Gründe nicht viel einwenden, wäre nicht das Material, worauf sich dieser
Forscher stützt, ausnahmslos dasjenige, von dem wir schon oben gesehen haben,
dass dasselbe sehr zweifelhafter Natur sei. Schüppel dagegen betrachtet die bei
seinem 24jährigen Musicus vorhandene Erweiterung des Centralcanals als angeborene,
ohne jedoch weitere Gründe dafür beizubringen.
Es fragt sich nun, ob bei dem unsrigen Falle die Hydromyelie angeboren ist,
oder nicht. Dass es Fälle angeborener Hydromyelie selbst bis in ein verhältnis
mässig hohes Alter hinauf giebt, ist nicht zu bezweifeln. Die Gründe aber, die gegen
ein angebornes Leiden und für die spätere durch Entzündung entstandene Ursache
sprechen, sind folgende: Einmal das verhältnissmässig hohe Alter der Patientin,
67 Jahre, welches bei angeborner Hydromyelie solchen Grades wohl schwerlich beob
achtet wurde. Unzweifelhaft würde ein solcher Process mit der Zeit eine weit grössere
postfoetale Ausdehnung erlangt und wohl auch früher oder später Symptome gemacht

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