viel späteren Untersuchungszeit, verrnuthet werden konnte; jedoch gelang es, das den
Centralcanal umgebende bindegewebige Gerüst nachzuweisen.
Die Frage, die sich nun zunächst aufdrängt, ist, ob diese Erweiterung des
Centralcanals während des Lebens Symptome gemacht hat. Es Hesse sich Folgendes
darüber sagen. So lange die Kranke im Spital war und beobachtet werden konnte,
waren keine bestimmten Symptome vorhanden, die auf eine Affection des Rücken
marks hätten deuten können. Ob die fast über den ganzen Körper verbreitete Hype
rästhesie, die unzweifelhaft vorhanden gewesen zu sein scheint, auf die muthinaass-
liche Degeneration der grauen Hinterstränge zu beziehen ist, oder nicht, muss dahin
gestellt bleiben; möglich wäre es allenfalls, jedoch bliebe es immerhin ein durchaus
unerlaubter Schluss, wollte man zwei nicht einmal constatirte Thatsachen mit einander
in Verbindung bringen, da selbst, wenn diese festständen, immerhin die Folgerung
eine sehr gewagte wäre, Ob das Zittern, das bei der Kranken in ziemlich hohem
Maasse vorhanden war, irgend eine Bedeutung hat, ist mehr wie zweifelhaft; es
scheint ferner, dass der Hydrocephalus chronicus ebenfalls ziemlich symptomlos ver
laufen ist. — Hiermit würde der Fall von Schüppel übereinstimmen, der die Hy-
dromyelie als zufällige, keine Symptome machende Complication zu einer aus anderen
Ursachen entstandenen progressiven Muskelatrophie betrachtete. Hier war sogar die
Höhle noch bedeutend grösser, als bei der unsrigen. ln dem sehr ähnlichen
Fall von Gail (siehe das vorher citirte Werk) war wohl entschieden die Muskel
atrophie der Hände, sowie die anderen bezüglichen Symptome auf Erkrankung
des Rückenmarks zurückzuführen, wie er dies auch selbst that. Es hatte die Höhle
jedoch auch hier einen beträchtlichen Umfang erreicht, so dass die graue Substanz
fast ganz durch Atrophie zu Grunde gegangen war. In mehreren anderen Fällen
waren Symptome vorhanden, die auf die Erkrankung des Rückenmarks zu beziehen
waren. Da jedoch, wie wir gesehen haben, dieselben wohl meistens andern Erkran
kungen ihr Entstehen verdanken, so müssen die Symptome als von jenen primären
abhängige angesehen werden. . „.. s -' s
Man könnte nun auch bei dem unsrigen Falle fragen, ob es wirklich der
durch Flüssigkeit erweiterte Centralcanal ist, der vorliegt, oder ob auch hier nur eine
apoplectische Cyste anzunehmen ist. Die Gründe nun, die für das Erstere ziemlich
sicher sprechen, sind folgende: Der Canal ist 5 Centimeter lang, das lumen diffus
erweitert, er befindet sich genau in der Mitte, die umgebende Substanz ist bleich und
fester, das Mark abgeplattet, sonst aber normal. Die Innenfläche der Höhle ist platt
und fest. Von vorhandenen Blutgerinseln oder blutiger’Flüssigkeit ist nichts nach
zuweisen. Alles dies sind Verhältnisse, die in diesem Maasse nie bei der apoplec-
tischen Cyste Vorkommen; dazu kommt noch die Symptomlosigkeit des ganzen Pro
cesses, die bei Haemorrhagien des Marks, abgesehen von etwanigen Mischformen,
mindestens sehr selten ist. Die beobachteten Fälle von Spinalapoplexie machten fast

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